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Tiefe Wahlbeteiligung oder: die Fehlinvestition der Parteien in Facebook-Werbung

17. Oktober 2019 By Manfred Messmer

Der Münchensteiner SP-Mann Adil Koller fast schon verzweifelt auf Facebook.

In den letzten drei nationalen Wahlen lag die Wahlbeteiligung bei etwas über 48 Prozent. In Baselland gingen 46.8 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen und in Basel-Stadt waren es gar knapp mehr als die Hälfte, nämlich 50.4 Prozent.

Dieses Jahr sieht es nicht danach aus, dass diese Zahlen übertroffen werden.

Im Gegenteil: In Basel-Stadt sollen erst dreissig Prozent ihre Wahlzettel abgeschickt haben und in Münchenstein sind es gar erst 24,5 Prozent.

Nun ist schon viel darüber geschrieben worden, ob eine hohe Wahlbeteiligung andere Resultate brächten. Die Meinung herrscht vor: Nein. Das galt allerdings, als die Beteiligung so um die 50 Prozent herum pendelte.

Allerdings müsste ein tieferer Wert als vor vier Jahren den Parteien insofern zu denken geben, als sie meinten, mit ihren Social Media-Kampagnen könnten sie diejenigen erreichen, die nicht wählen gehen, nämlich die Jungen.

Was sich, sollte bis Sonntag nicht noch der grosse Ansturm erfolgen, als fataler Irrtum herausstellen könnte.

Denn wer sich nicht für Nachrichten interessiert, wird sich wohl kaum von Werbesprüchen der Parteien begeistern lassen.

36 Prozent der Schweizer Bevölkerung, so das neueste Jahrbuch „Qualität der Medien“, gelten inzwischen als Newsentwöhnte. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es gar 56 Prozent.

Zudem: Lediglich 17 Prozent der Social Media-Nutzer vertrauen den Informationen, die sie dort finden. Die Vergleichszahl für die klassischen Medien liegt immerhin bei 47 Prozent.

Mit andern Worten, Wahlwerbung in Tageszeitungen wäre in ein deutlich vertrauenswürdigeres Umfeld eingebettet. Plus: Wer eine Tageszeitung abonniert hat, ist politinteressierter als der übliche Social Media-Nutzer.

Aber eben, Social Media ist sexy und die traditionellen Medien schreiben ja sowieso über die Wahlen. Und erst noch gratis.

*****

Doch zur Unterhaltung: Wer gewinnt am Sonntag?

Bei der FDP Baselland den zweiten Platz hinter Schneeberger:

[poll id=“67″]

Im Ständeratswahlkampf (da zählt ja nur Platz 2 nachdem Frau Schneeberger gemäss Umfrage führen soll):

[poll id=“68″]

Und bei der FDP-Basel-Stadt:

[poll id=“69″]

Wenn ich zwischendurch mal bei ihrem Facebook-Account reinschaue, dann sehe ich dauernd Posts von fröhlichen Wahlkämpfern*innen, deren einzige Botschaft lautet: „Heute war ich mit meinen Gschpönli hier und es war ganz toll!“

Manchmal ist auch einer ganz alleine unterwegs:

„Aber au Zuekunft und Jugend händ mir hinter üüs. Au das hülft üüs sehr stark, das Wahlresultat z’vergässe. (Emil: Der Wahlverlierer).

Kategorie: Politik

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Marc Schinzel meint

    18. Oktober 2019 um 0:54

    So schrecklich einsam war es nicht, fehl(t)en mir doch Shivas Zusatzarme, um auch gleich noch das Video zu drehen. Besser als Emil passt nach dem Verebben der Pendlerwelle Mani Matters ewig gültiges “Lied vo de Bahnhöf, wo dr Zug geng scho abgfahren isch oder no nid isch cho …“
    Morgen 07.30 Uhr ist Muttenz the place to be.

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