• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

#Ge2017: Überraschungen als Trend

14. Juni 2017 By Manfred Messmer

Ich könnte jetzt Herrn Somm zitieren und auch von Demut schreiben.

Weil auch ich mich geirrt habe.

Doch meinem Irrtum folgen nicht Bedauern oder gar Entsetzen über das Wahlergebnis in Grossbritannien, sondern grosse Freude.

Nämlich darüber, dass diese Wahlen gezeigt haben, dass «Das grosse digitale Aufrüsten» (der Titel meiner Kolumne im Mai) nur dann etwas bringt, wenn die Bürgerinnen und Bürger in ihrem Engagement für die Demokratie nachlassen.

Denn anders als bei der Brexit-Abstimmung, bei der das Leave-Lager viel Geld in Firmen pumpte, die mit speziell entwickelten Software-Instrumenten und datenbasiertem Profiling individualisierte Botschaften an Millionen von Stimmbürgern absetzten und zur Überraschung (fast) aller eine 52-Prozent-Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union erzielten, verlor Theresa May ihre Mehrheit, weil kaum jemand die jungen Erstwähler und die vielen schon etwas älteren taktisch Wählenden auf dem Radar hatte.

Erst Ende Mai wurden die Medien auf die junge Welle aufmerksam: Bis dann hatten sich bereits 1 Million der 18- bis 24-Jährigen für die Wahl registrieren lassen und am letzten Tag waren es nochmals fast 250 000. 72 Prozent dieser Altersgruppe hat dann tatsächlich gewählt, vorwiegend Labour.

Gegenüber früheren Wahlen ein Plus von 30 Prozent. Bis zum Urnengang hat das Komitee «Best for Britain» über 400.000 Pfund gesammelt und damit eine Kampagne fürs taktische Wählen finanziert. Und es wurden Kandidierende unterstützt, die gegen einen harten Brexit sind.

Das heisst, sollten die Tories und rechtskonservative Kreise sich wie bei der Brexit-Abstimmung erneut auf Dataprofiling-Firmen verlassen haben, dann sind diese dieses Mal an realen Menschen gescheitert.

Zum Beispiel an den Reichen und Schönen im Londoner Stadtteil Kensington, dort wo auch der ehemalige Premier Cameron und sein früherer Schatzkanzler George Osborne wohnen. Sie schickten erstmals keinen Tory ins Parlament, sondern eine Corbyn-Sozialistin.

Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 20 Stimmen.

Man kann also festhalten: Eine neue Wählergeneration plus taktische Wähler haben in nur einem Jahr unglaublich schnell dazugelernt. Der harte Ausstieg aus der Europäischen Union ist vom Tisch. Die Briten werden eine Art Norwegen-Status erlangen, Personenfreizügigkeit inklusive.

Oder aus reinem Unvermögen gar nichts.

Egal welchem politischen Lager man nun zuneigt: Der Aufmarsch der Jungen und der taktisch wählenden Citoyens ist eine gute Nachricht für die Demokratie.

Zum einen, weil sie sich dieses Mal selbst organisiert haben (auch via Soziale Netzwerke). Zum anderen, weil die dominierenden Boulevardblätter mit ihren Kampfparolen die Mehrheit der Jungwähler nicht mehr erreichten. Und drittens haben die jungen Briten mit ihrem Wahlverhalten gleich noch die These gekippt, wonach in Wahlen und Abstimmungen an der Rentnergeneration kein Weg vorbeiführt.

Nebst diesen Neuheiten gab es da aber noch ein altbewährtes Mittel, wie man Wahlen und Abstimmungen (auch bei uns) dreht: Diskutiere nie die Themen deines Gegners. Zwinge ihn vielmehr dazu, deine Agenda zu übernehmen. So ist Frau May letztendlich über die von Labour lancierte soziale Frage gestolpert.

Und was lernen wir? Wir können die europapolitischen Debatten gelassener angehen. Und die nächsten Wahlen könnten für einige Überraschungen sorgen. Das ist der Trend.

Kategorie: BaZ-Kolumne, Politik Stichworte: #Brexit, BaZ-Kolumne

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Seitenspalte

Kommentare

  • Marc Schinzel zu Zwei Namen und kein Plan
  • Patrick Frey zu Zwei Namen und kein Plan
  • Hans Rudolf Rohr zu Zwei Namen und kein Plan
  • Marcus Denoth zu Zwei Namen und kein Plan
  • unterbaselbieter zu Zwei Namen und kein Plan
  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • IMGErkältung. Grippe. Covid.
    15. Oktober 2026
    Andern Tags dachte ich: eine Erkältung, wie man sie sich auf einer mehrstündigen Fahrt in einem […]
  • Christinefrey web origZwei Namen und kein Plan
    9. Oktober 2026
    Da ist also mal wieder jemand zur bz gesprungen und hat ihr den neuesten Stand der internen […]
  • IMGWir die Schweiz handlungsunfähig?
    8. Oktober 2026
    Wir laufen bei den Bilateralen III auf eine bei einem derart gewichtigen Geschäft noch nie […]
  • IMGSo what
    7. Oktober 2026
    Ein Bundesrat ist zurückgetreten. So what. Der Nachruf ist immer derselbe: pragmatisch, kollegial, […]
  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework