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Atici – Schenker: Mann stellt Macht­fra­ge

28. Dezember 2016 By Manfred Messmer

Es ge­sche­hen in dem sich zu En­de nei­gen­den Jahr noch Zei­chen und Wun­der. Ein. Mann. Be­gehrt. Ge­gen. Ei­ne. Frau. Auf. Öf­fent­lich!

Und das in der SP, der Par­tei, bei der vor al­lem das Vor­han­den­sein von mehr als ei­nem X-Chro­mo­som die ent­schei­den­de ­Vor­aus­set­zung ist, für öf­fent­li­che Äm­ter über­haupt no­mi­niert zu wer­den.

Schon seit Jah­ren.

Und wenn man sich nicht ei­ni­gen kann, schickt man Frau und Mann in die Re­gie­rungs­rats­wah­len und ver­liert die­se Gen­der-neu­tral. Das ist dann ganz okay.

Und jetzt der Herr Ati­ci.

Ich mei­ne, so von Mann zu Mann: Das ist schon ei­ne star­ke Num­mer, die Sie da ab­zie­hen. So aus hei­te­rem Him­mel die hei­li­ge so­zia­lis­ti­sche Ge­schlech­ter­fra­ge neu zu stel­len.

Und der Mann hat nicht mal ein schlech­tes Ge­wis­sen des­we­gen.

Toll!

Ein XY­ler auf dem Kriegs­pfad für die Rück­kehr der männ­li­chen ­Ord­nung. Er ge­traut sich, was bei der SP – und auch in manch an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen – kaum noch ein Mann wagt: Auf den Putz hau­en und die Macht­fra­ge stel­len: Ma­da­me, tre­ten sie für mich zu­rück.

Un­glaub­lich. Gut.

Das Er­staun­li­che an dem kaum noch für ­mög­lich ge­hal­te­nen Vor­gang: Die SP-Frau­en, au­gen­schein­lich be­tört vom Ma­cho, der sich ­rol­len­ty­pisch gern auch mal als Ja­mes Bond ab­lich­ten lässt, be­waff­net mit ei­ner Spiel­zeug­pis­to­le, stim­men als Back­ground-Sän­ge­rin­nen in den Re­frain ein: Ses­sel­kle­ber! Ses­sel­kle­ber! (Man be­ach­te das Mas­ku­li­num.)

Al­ler­dings ha­be ich da noch die­sen Zwei­fel: Hies­se Mu­stafa Ati­ci nicht Mu­stafa Ati­ci, son­dern sa­gen wir zum Bei­spiel An­dy Rü­disüh­li – ob da die SP-Frau­en dem An­dy auch einen solch un­ge­hemm­ten Ein­satz des El­len­bo­gens durch­ge­hen lies­sen? Via Me­di­en ei­ne Frau aus dem Na­tio­nal­rat­samt mob­ben!?

Durch. Einen. Mann!?

Weil der in ei­nem sol­chen Fall üb­li­che ­Em­pö­rung-Has­h­tag aus­blieb, kön­nen wir da­von aus­ge­hen, dass es bei den So­zis nicht nur einen Bo­nus fürs X-Chro­mo­som gibt, son­dern auch einen für den Im­mi­gran­ten-Sta­tus.

Da­mit lässt sich Stim­mung ma­chen.

«Die Mi­gra­ti­ons­be­völ­ke­rung soll für ge­wis­se Po­li­ti­ker doch bloss die Op­fer­rol­le über­neh­men, da­mit sie ih­re Man­da­te be­hal­ten kön­nen», sagt Herr Ati­ci al­len Erns­tes über ei­ne SP-Na­tio­nal­rä­tin.

Die lin­ken Par­tei­lei­te­rin­nen er­neut im Chor: «Ses­sel­kle­ber».

Denn über­haupt. Nur Mi­gran­ten könn­ten ­Po­li­tik für Mi­gran­ten ma­chen: «Wir brau­chen kei­ne Pa­ten», em­pört sich der schwei­ze­risch-­tür­ki­sche Dop­pel­bür­ger.

Was mich, ne­ben­bei be­merkt, an die­se Dis­kus­si­on er­in­nert, ob Weis­se Dread­locks tra­gen dür­fen. Sie wis­sen schon, die­se ver­filz­ten Ra­sta­lo­cken, die zum schwar­zen Kul­tur­ver­ständ­nis ge­hö­ren. Whoo­pi Gold­bergs kunst­voll ge­floch­te­ne Zöp­fe auf blon­den Häup­tern be­deu­tet für Schwar­ze, so die Dis­kus­si­on, kul­tu­rel­ler Dieb­stahl, schlim­mer noch: einen Iden­ti­täts­klau.

Wenn al­so Frau Schen­ker «Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten» auf ih­rer Lis­te der «Schwa­chen und Schwächs­ten in un­se­rer Ge­sell­schaft» führt, für die sie ei­ne po­li­ti­sche Lob­by­is­tin sein wol­le, dann, so scheint es, kol­li­diert die­ser An­spruch hef­tig mit der po­li­ti­schen Selbstin­ter­pre­ta­ti­on von Herrn Ati­ci.

Im Klar­text stellt er die Fra­ge: Wie kann denn ei­ne Aar­gaue­rin ei­ne glaub­wür­di­ge ­Mi­gra­ti­ons­po­li­ti­ke­rin sein?

Gut, im Aar­gau ­ge­bo­ren zu sein, ist ja auch kein Schleck. Das weiss viel­leicht Herr Ati­ci nicht.

Ist ja egal.

Soll­te der SP-Mann aus El­bis­tan ­tat­säch­lich die SP-Frau aus Aar­au aus dem Amt drän­gen, dann ist das näm­lich ei­ne gu­te Nach­richt.

Für die Män­ner.

Lasst uns al­so an­stos­sen!

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung vom 28. Dezember 2016.

Kategorie: BaZ-Kolumne Stichworte: Basel-Stadt, Politik

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

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Kommentare

  1. Städter meint

    28. Dezember 2016 um 8:35

    Grossartig geschrieben! Wahrheit und Entertainment zugleich!

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Kommentare

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