• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Die Angst zu verblöden oder: Man kann auch Kuchen backen.

25. Februar 2013 By Manfred Messmer

Wenn wir also in unserer kleinen Betrachtung über die Zeit nach der Arbeit fortfahren, dann befassen wir uns mit den ersten Punkt:

Du bist frei.

Schon mit dieser ersten Tatsache haben die meisten ihre Mühe. Diese Freiheit kommt ihnen keineswegs als solche vor. Sie haben Angst vor der fehlenden Struktur im neuen Alltag. Sie denken, es fehlt ihnen fortan an intellektuellen Herausforderungen.

Das geht doch nicht, immer nur Ferien.

Schliesslich haben wir die calvinistische Arbeitsethik verinnerlicht: Wer nicht tätig ist, führt kein sinnerfülltes Leben. (Weshalb die sogenannten Rentner auch von „Ferien“ reden, wenn sie für eine Woche verreisen.)

Ein Bekannter von mir meinte kürzlich, er habe Angst, ohne seinen Job zu verblöden. Man hatte diesen CEO nach fast zwanzig Jahren im Unternehmen in gegenseitigem Einvernehmen und üppig ausgestatt mit 60 entlassen.

Kurz, viele fürchten sich davor, ohne die kollektivbestimmte Struktur weiterleben zu müssen.

Was ich auch verstehe.

Denn es lebt sich irgendwie schon behaglich und aufgehoben, in unserem sozialkapitalistischen Arbeitsbetrieb. Me chunnt am achti und goht am zwölfi, me chunt am zwei und goht am fünfi, me chunnt am achti und goht am zwölfi, me chunt am zwei und goht am fünfi. Samstag und Sonntag ist frei und auch an Ostern, an Pfingsten an Weihnnachten. Und im Sommer geht man in die Ferien und im Herbst gleich nochmals.

Gut, dank den modernen Kommunikationsmitteln ist man heute 24/7 erreichbar, was einen dazu bringt zu glauben, man sei irgendwie unentbehrlich.

Weg vom Cliché: Selbstverständlich gibt es auch jede Menge Jobs, die einen fordern, wo man etwas bewegen und gestalten kann, die ein faszinierendes Leben ermöglichen.

Ich sagte dem Frischentlassenen bei unserem Abschiedsnachtessen: Betrachte es so: Du bist ab heute auf einer Entziehungskur. 27/7 ist die Formel der Süchtigen, beschäftigt sein mit irgendetwas, ist wie besoffen sein von irgendetwas. Deshalb geht das nicht einfach von einem Tag auf den anderen, dieses „Nichtstun“.

Das muss man sich erarbeiten.

Ich habe als erstes meine Tagesstruktur zerstört. Ich stehe auf, ohne Wecker, einfach wenn’s hell wird. Mittagessen ist nicht mehr um halb eins mit den Nachrichten, sondern irgendwann zwischen drei und vier. Das Nachtessen fällt damit weg. Zwei Mahlzeiten reichen.

Mittagsnachrichten höre ich nur noch selten.

Selbstverständlich kann man den Schritt in die Freiheit rauszögern. Kann bis 70, wie in den Statuten vorgesehen, Verwaltungsrat bei einem Multi bleiben. Oder noch Kanzler oder Ministerpräsident werden. Oder diese oder jene Kommission präsidieren.

Spielt keine Rolle. Denn wie gesagt: Das Endergebnis ist für alle dasselbe.

Früher oder später.

Wird fortgesetzt.

PS: Statt Brot, kann man übrigens auch Kuchen backen.

Kategorie: Müssiggang

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Seitenspalte

Kommentare

  • Hans Rudolf Rohr zu Der Dorfbach und das Deutungsmonopol
  • Miggel K. zu Der Dorfbach und das Deutungsmonopol
  • Manfred Messmer zu Der Dorfbach und das Deutungsmonopol
  • Klaus Kirchmayr zu Der Dorfbach und das Deutungsmonopol
  • unterbaselbieter zu Der Dorfbach und das Deutungsmonopol
  • Henry Berger zu Das Amt verwaltet

Letzte Beiträge

  • Mermaid diagramDer Dorfbach und das Deutungsmonopol
    4. September 2026
    Citoyens haben heute ganz andere Möglichkeiten der politischen Mitwirkung als noch vor zwei, drei […]
  • SnapseedDas Amt verwaltet
    3. September 2026
    Die Medien jubeln Isaac Reber im Chor hoch. Ich reibe mir die Augen: Reden sie vom selben […]
  • SnapseedWarten auf Toni
    2. September 2026
    Die Frist ist bereits verstrichen. An der letzten FDP-Parteiversammlung hatte Parteipräsident […]
  • SnapseedMein Gadget-CV
    1. September 2026
    We shape our tools and thereafter our tools shape us. John M. Culkin, 1967, Schüler von Marshall […]
  • IMGMoleskine III: Der Traum
    30. August 2026
    Eintrag vom 27. Juli 2012 Der Traum Der Plot: Ein Mann heiratet die Tochter aus vermögendem Haus. […]
  • SnapseedMoleskine II: …oder war’s der Granatapfel?
    29. August 2026
    Eintrag vom 10. Juli 2012 «Sein meint anerkannt sein.» (Top aktuell, Quelle vergessen) Was, wenn […]
  • SnapseedMoleskine I: Blick zurück
    28. August 2026
    Ich bin bei meinem Moleskine-Notizbuch auf der letzten Seite angelangt und habe mir ein neues […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework