• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Der Mann konnte einfach nicht #Papst oder: das Problem sind die Katholiken

12. Februar 2013 By Manfred Messmer

Der Rücktritt von Benedikt XVI hat alle überrascht. Dieser Satz ist Konsens.

Und auch das:

Aus den verschiedenen Kommentaren zum Rücktritt ist deutlich eine grosse Erleichterung über den Entscheid des Papstes herauszuhören.

So im Stil: Der Mann konnte einfach nicht Papst.

Den Vogel schiesst in dieser Hinsicht die Basler Zeitung ab mit dem Titel: Basler hat den Papst zum Rücktritt aufgefordert.

Das  Blatt lässt einmal mehr Herrn Pfister zu Wort kommen, diesen notorischen Kirchennörgler, der bis zu seiner Pensionierung auf der Payroll der Römkathkirche stand, der in Basel als Kommunikationsbeauftragter der Kirche während Jahren die Antipapststimmung bewirtschaftete in der Hoffnung, die Kirchen zumindest halbwegs wieder zu füllen.

Er tat, was in vielen röm.-kath. Kirchengemeinden Zeitgeist ist: Institutionenbashing.

Was wir in den nächsten Wochen von allen möglichen WortmelderInnen lesen werden, ist „die Hoffnung“ , dass nun endlich ein Papst gewählt werde, „der die nötigen Reformen“ an die Hand nehmen werde.

Reformen? Was denn? Für was denn? Für wen denn?

Für den Zeitgeist?

Wir können davon ausgehen, dass der nächste Papst genau so konservativ sein wird, wie all seine Vorgänger zuvor.

Und das ist auch gut so.

Denn es ist gut, dass es in unserem Kulturkreis zumindest eine Institution gibt, die sich standhaft dem Zeitgeist verweigert.

Welchem auch immer.

Damit ist die katholische Kirche ein Ärgernis, eine Provokation.

In einer Zeit von #aufschrei ist eine Institution, die sich, innerkirchlich wohlbegründet, dem hierarchischen Aufstieg von Frauen verweigert, eine Provokation.

Eine Institution, die beharrlich an Glaubenssätzen festhält, die schon länger als ein Jahr gelten, ist ein Ärgernis.

Aber genau das schätze ich an der Weltkirche, dieses unendlich langsame Reformtempo: dieser ganz im Trend der Alternativen liegende Slow Change.

Die katholische Kirche ist ein europäisches Kulturgut erster Güte, dass es zu erhalten gilt.

Es gibt keine andere Institution in Europa, die auf eine 2000-jährige Geschichte ohne Unterbruch blicken kann. In diesen 2.000 Jahren hat die Kirche Mitteleuropa nicht nur architektonisch, sondern auch geistig geprägt. Diese Tatsache nötigt mir Respekt ab.

Habe ich vor sieben Jahren in einem Interview mit den katholischen Pressedienst der Schweiz im Zusammenhang mit der Röschenzer-Affäre gesagt.

Ich kann zu dem, was ich damals gesagt habe, noch immer stehen.

Wer sich heute in unseren Breitengraden der als Massstab für praktisch alles geltenden „Beliebigkeit“ verweigert, handelt im Grunde genommen avantgardistisch.

Das Problem bei der röm.-kath. Kirche sind die Katholiken, Gemeindemitglieder und Priester, die nicht mehr katholisch sein möchten sondern irgendwie „urchristlich“.

Und die nicht die Courage haben, aus der Kirche auszutreten.

Weil für sie schon längst das sich Reiben an der Institution und am Papst – an welchem auch immer – zum eigentlichen Glaubenszweck geworden ist.

PS: Ich muss wohl nicht unbedingt betonen, dass ich nicht katholisch bin und auch niemals war. Und dass ich auch sonst nicht gläubig bin.

Kategorie: Einsichten Stichworte: Einsichten

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Urs P. Haller meint

    12. Februar 2013 um 23:20

    Deine Aussage „Es gibt keine andere Institution in Europa, die auf eine 2000-jährige Geschichte ohne Unterbruch blicken kann. In diesen 2.000 Jahren hat die Kirche Mitteleuropa nicht nur architektonisch, sondern auch geistig geprägt. Diese Tatsache nötigt mir Respekt ab.“ ist natürlich etwas plakativ und müsste schon noch hinterfragt werden. Unter welchen teils verabscheuungswürdigen Voraussetzungen konnte sich das Primat der Kirche überhaupt so lange halten? Unbestritten ist, dass die Kirche Kulturträger war und seit dem Hochmittelalter in Bildung und Fürsorge eine wichtige Rolle einnahm. Wurde das System Kirche aber bedroht, so etwa durch die Reformation, setzte ein Prozess ein, der mit Gewalt (Folge u.a. der Dreissigjährige Krieg), Repression, Zwangsmissionierung und ausgeklügelter Propaganda eine Rekatholisierung von an den Protestantismus verlorenen Gebieten vorantrieb. Mit dem Aufkommen der Aufklärung und den Idealen der napoleonischer Politik bildete sich ein neues, von sämtlichen kirchlichen Bindungen losgelöstes Verständnis von einem Staat und dessen Aufgaben heraus, was wiederum zu Kollisionen mit den Wertvorstellungen, die die Kirche an den Staat stellte, kam. Dieser Kulturkampf ist bis zum heutigen Tage nicht ganz verstummt. Es würde den Platz dieses Blog bei weitem sprengen, doch fände ich (auch nicht Katholik, der zudem in der Kirche mit ihren christlichen Dogmen eine grosse interpretatorische, historische und der reinen Machterhaltung dienende Fehlentwicklung sieht) es spannend, den Fokus einmal auf die ganzen historischen Umstände von Macht und Unterdrückung zu legen. Dass sich das System Kirche nach wie vor auf ihre Unfehlbarkeit beruft und demzufolge – eigentlich fast konsequenterweise – nicht zu ihren historischen Verfehlungen stehen kann, das ist zwar schwer nachvollziehbar, aber irgendwie verständlich. Insofern sind die oft gehörten Rufe nach einer Rückkehr zum einem Proto-Christentum nachvollziehbar.

    PS Die 2000-jährige Geschichte – das gerät oft in Vergessenheit – wird noch überboten von der rund 3000-jährigen Geschichte der Mutterreligion des Christentums. Doch diese hat bis heute nie einen Macht- und Herrschaftsanspruch geltend gemacht, im Gegenteil, es ist eine 3000-jährige Geschichte von Exil und Verfolgung. Aber das Judentum hat bislang alle Staaten, alle Repressionen, alle Versuche, es auszurotten, überstanden. Das ist DIE Tatsache, die mir persönlich ganz gehörigen Respekt abnötigt.

    • U. Haller meint

      13. Februar 2013 um 16:21

      Das aber kann die Kirche für sich nicht in Anspruch nehmen:

      http://sphotos-e.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/430592_377352425683550_1832188361_n.jpg

  2. Beat Hermann meint

    12. Februar 2013 um 23:05

    Vielleicht braucht es einen, der die Herde im Auge behält und nicht dauernd das verlorene Schaf retten will. Einen, der den Vatikan und seine Institutionen ausmistet, damit die Herde sich wieder in Freiheit und Verantwortung entwickeln kann.

  3. Haguhans meint

    12. Februar 2013 um 16:55

    Freu mich jetzt schon auf den Nachfolger. Laut wird der Jubel wohl sein, wenn es ein Schwarzer wird, so laut, dass er sich den Friedensnobelpreis gleich auf Vorschuss wird umhängen können. Noch dröhnender aber dann das Stillschweigen, wenn man feststellen muss, dass der Neue punkto Zölibat, weibliche Priester, Verhütung und Homosexualität womöglich noch konservativer eingestellt ist als seine Vorgänger miteinander. Wird spannend…

Seitenspalte

Kommentare

  • Daniel Flury zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • unterbaselbieter zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • Christoph Gass zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • Daniel Flury zu Serienuniversum
  • Baresi zu Serienuniversum
  • Franz zu Serienuniversum

Letzte Beiträge

  • IMGDie KI widerspricht der Rektorin
    16. September 2026
    Schon wieder die BaZ und erneut ein Interview. Dieses Mal mit der Rektorin der Universität Basel. […]
  • Bildschirmfoto 2026 09 15 um 09.51.24Die Hypothek Lauber
    15. September 2026
    Der frühere Bankratspräsident der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Thomas Schneider, hat der […]
  • ScreenshotSerienuniversum
    14. September 2026
    Nein, damit will ich mich gar nicht erst beschäftigen: mit dieser politischen Kakophonie auf allen […]
  • Riebli peterDie Beute
    11. September 2026
    Bei den nationalen Wahlen 2027 zeichnet sich im Baselbiet eine neue Normalität ab: Wer für den […]
  • SnapseedEin Hoch aufs Staatsversagen II
    10. September 2026
    Wenn wir gestern ein Hoch aufs Staatsversagen gesungen haben, kommen wir nicht umhin, die Leute zu […]
  • Kantonsspital Baselland Standort BruderholzEin Hoch aufs Staatsversagen
    9. September 2026
    In Liestal schaut jede Kommission durch ihre eigene Brille auf dasselbe Spital. Die […]
  • IMGDer Plan eines Plans
    8. September 2026
    Isaac Reber tritt ausgerechnet in jenem Moment ab, in dem sein grösstes Vermächtnisprojekt zur […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework