• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Der Herzog-de-Meuron-Messebau steht am falschen Ort

8. Februar 2013 By Manfred Messmer

Messe2
Herzog & de Meuron-Neubau der Messe Basel, fotografiert mit einem alten HTC-Phone

So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese.

Gestern flanierten wir über die Mittlere Brücke ins Kleinbasel. Beim Claraplatz sagte ich zu ihr: „Komm, schauen wir uns doch mal schnell den Messeneubau an, wie weit die wohl inzwischen gekommen sind?“

Wir waren erschlagen.

Dieser Bau.
Diese Fassade.
Dieses Loch in der Decke.
Dieser Tramverkehr.
Dieses Parkhaus.
Dieses Hochhaus.
Dieser Schrumpfplatz
Dieser Rundhofhallebau.

Die Proportionen sind völlig durcheinander geraten.

Das optische Elend ist an zwei Dingen festzumachen: an der Lücke zwischen dem Parkhaus und dem Herzog-de-Meuron-Bau, die den Scharm eines Hinterhofs hat, fehlen nur noch die Mülltonnen und Graffitis und an dem Oberleitungsdrahtgewirr für die Strassenbahnen.

Und überhaupt: Die Verkehrssituation für Fussgänger: Die ist genau so unübersichtlich wie am Bahnhofsplatz.

Leute, man kann es drehen und wenden wie man will: Dieser Neubau steht am falschen Platz. Der käme nur zur Geltung, wenn man all die Häuserzeilen ringsum – bis zum Claraplatz – niederreissen und an der Stelle einen wirklich grosszügigen öffentlichen Platz schaffen würde.

Doch so, wie sich das heute darstellt, ist das ein grosser Murks.

Das ist nichts. Das ist, an der Rückseite zum Beispiel, allerhöchstens eine Manifestation, eine Botschaft ans optisch geschrumpfte Morger-Hochhaus: Du bist mir so lang wie breit.

Heute, lesen wir, soll der „Ist-mir-so-lang-wie-breit“-Bau eröffnet werden.

„Aber er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.‘ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

PS und noch gedacht: Zum Glück ist dieser Hadid-Bau am Barfi bachab geschickt worden.

Kategorie: Einsichten Stichworte: Einsichten

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Siro meint

    12. Februar 2013 um 11:58

    Damit wird der Platz nun auch noch „aufgewertet“:
    http://bazonline.ch/basel/stadt/Ein-Tramhaeuschen-direkt-im-Lichthof/story/25803487

  2. Michael Przewrocki meint

    10. Februar 2013 um 19:28

    Die beste Sicht-ausser aus der Luft-ist vermutlich aus dem Messeturm. Als Flugpanorama-Fotograf mach ich mir Sorgen wie der mir beim Breitfotografieren nicht das Bild zerstückelt….Am Besten ist wohl von der anderen Rheinseite aus auf 100m Höhe.

  3. merlinx meint

    8. Februar 2013 um 23:54

    Es ist verständlich, dass der Messeneubau den den einen oder andern überrumpeln oder sogar umwerfen mag. Ich finde ihn absolut perfekt, raffiniert, cool. Auf Jahre hinaus das Beste, das in Basel je gebaut worden ist.

    Es ist nun mal nicht die Aufgabe moderner Architektur, Nostalgie zu bedienen, sondern den Mut zu haben und die Gelegenheit zu packen, etwas Neues, in der Form noch nie Gewagtes hinzustellen.

    Man mag einzig bemängeln, dass die nun umso stärker hervortretende Biederkeit und Harmlosigkeit einiger anderer Bauten (und Quartiere) in dieser Stadt, noch unerträglicher geworden sind.

    Aber die Neu-Bebauung rund um die Messe ist ja zum Glück noch nicht abgeschlossen.

    • Henry Berger meint

      9. Februar 2013 um 8:19

      Die beste Architektur der Welt ist grottenschlecht wenn sie es nicht schafft mit den nun mal vorhandenen Umgebung irgendwie zu „korrespondieren“, ich schreib bewusst nicht einfügen. Der Architekt soll den Geist oder von mir aus auch den Ungeist eines Ortes erfassen und allenfalls dann sogar auf einen Bau verzichten. Herzog und de Meuron bauen lediglich „Solitaire“ die verbindungslos in der Umgebung stehen. Herzog und de Meuron hätten den seinerzeit sehr umstrittenen Eifelturm wohl ins Marais gestellt. Nicht jedes künstlerisch wertvolles Bild passt an jede Wand

    • M.M. meint

      9. Februar 2013 um 9:47

      Das trifft alles zu, ist Common Sense. Nur – der Bau braucht eine grosszügige Umgebung mit wenig bis nichts drumherum.

      Mein Bild zeigt die erdrückende Realität des Baus. Man läuft rum und sucht eine Position, von wo aus man die Halle mal in ihrer ganzen Dimension sieht. Aus der Fussgängerperspektive ist das nicht möglich, weil man zu wenig Platz zwischen sich und der Messehalle hat. Man denke sich Versailles eingebuchtet in ein Stadtviertel.

      Bezeichnend ist, dass die beeindruckenden Bilder immer nur Teile des Gebäudes zeigen.

      Das Gefühl unter der Halle ist bedrückend. Es fehlt das Licht. Und diese Drähte und die Haltestelle. Frauen darf man sich auch auf die Billetautomaten und Hinweistafeln. Fehlt dann nur noch der in Basel obligate Baum.

  4. Henry Berger meint

    8. Februar 2013 um 21:53

    Und das ganze für EINE Messe – das nennt man wohl Klumpenrisiko! Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass viele Besucher der Schmuckmesse den Besuch in der Schweiz in erster Linie dazu nutzen, diskret ihre Bankgeschäfte in der Schweiz zu erledigen, der Schmuck kommt erst in zweiter Linie! Nach dem faktischen Wegfall des Bankgeheimnis sehe ich hier etwas Schwarz. Seinen Schmuck kann der kleine Juwelier aus Florenz auch anderweitig besorgen.

  5. Siro meint

    8. Februar 2013 um 20:55

    Nach meinem Empfinden ist der Bau einfach nur hässlich. Wir werden noch erleben, wie das Unding abgerissen wird. Schade um die Kosten und Honorare. Und dafür dann bitte nicht nochmals BL zur Kasse bitten, das haben sich die Basler wirklich selbst zuzuschreiben.

  6. Robert Schiess meint

    8. Februar 2013 um 16:32

    Du hast recht. Ich habe dies schon immer gesagt. Der Messebau in seiner Unmasstäblichkeit teilt das Kleinbasel in 2 Teile: einer davor und einer dahinter, der nun langsam in die Verslumung geschickt wird.

    Da haben sich Messebauer in Städtebau versucht, Stararchitekten waren ihre Gehilfen und haben die unsinnige Idee des Verbauens eines Platzes umgesetzt, vermutlich Angesicht des hohen Auftragsvolumens.

    4 Jahre ist es her, als die Messe hoch und heilig angekündigt hat, dass das Parkhaus nicht weichen darf, was eine städtebaulich verträglichere Lösung ermöglicht hätte. Heute kommt die Messe mit dem Ansinnen, dieses Parkhaus abzureissen und durch Wohnung und ein Hotel zu ersetzen, ganz offensichtlich alles in einem neuen Hochhaus – eine Frechheit.
    Wo bleibt da der Kantonsplaner? Ist er Teil eines Systems, welches das Votum des Stimmbürgers einfach übergeht?

    EIN PLATZ DARF NICHT ÜBERBAUT WERDEN – so eine Maxime im Städtebau, die offensichtlich in Basel nicht mehr gilt.

    Denn unsere Regierung, die stark in die Messe eingebunden ist, höfelt und weibelt den Grossen nach und setzt sich über solche Regeln einfach hinweg. Beispielhaft dafür steht der ehemalige Regierungsrat Ueli Vischer, der heute VR-Präsident der Messe, der Warteck-Invest – die nichts mehr mit Bier am Hut hat, dafür umso stärker in Immobilien involviert ist – und der Vischer-Advokaten ist, und der so das Schandspiel mit dem Stimmbürger mitträgt.
    Politische Tugenden sind verloren gegangen.

  7. Michael Przewrocki meint

    8. Februar 2013 um 16:21

    Das Wichtigste ist doch hier was Drinnen abgehen wird. Zum Hadid-Bau am Barfüsserplatz bin ich Ihrer Meinung. Hab die 63% Ablehnung vorausgesehen. Ein US-Messebsucher vor dem Hochhaus meinte Basel solle seinen Charme beibehalten. Was er wohl jetzt meint?

Seitenspalte

Kommentare

  • Patrick Frey zu Zwei Namen und kein Plan
  • Hans Rudolf Rohr zu Zwei Namen und kein Plan
  • Marcus Denoth zu Zwei Namen und kein Plan
  • unterbaselbieter zu Zwei Namen und kein Plan
  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Manfred Messmer zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • Christinefrey web origZwei Namen und kein Plan
    9. Oktober 2026
    Da ist also mal wieder jemand zur bz gesprungen und hat ihr den neuesten Stand der internen […]
  • IMGWir die Schweiz handlungsunfähig?
    8. Oktober 2026
    Wir laufen bei den Bilateralen III auf eine bei einem derart gewichtigen Geschäft noch nie […]
  • IMGSo what
    7. Oktober 2026
    Ein Bundesrat ist zurückgetreten. So what. Der Nachruf ist immer derselbe: pragmatisch, kollegial, […]
  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]
  • SnapseedGeschacher
    1. Oktober 2026
    Interessant an den Berner Debatten über die Bilateralen III und das Mercosur-Abkommen sind nicht […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework