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Alle Schweizer sind Jodler, nur Herr Vasella nicht

28. Januar 2013 By Manfred Messmer

hodler
Wir haben ja demnächst diese „Abzocker“-Abstimmung. Es wird viel von „Neid“ geredet und geschrieben.

Ich denke, es geht nicht um Neid, sondern um die „Egalité“ unter Genossenschaftern.

Die Schweiz ist bekanntlich eine Eid-Genossenschaft. Die Eid-Genossenschafter haben viel früher als andere in Europa und in der Welt den Adel abgeschafft.

Deshalb gilt noch heute (in Basel): Wer mehr Geld hat, als andere, fährt dennoch mit dem Tram (Deutsch/Deutschland: mit der Tram) oder mit dem Velo zur Arbeit.

Wenn also Herr Vasella auf die Frage „Waren Sie Ihr Geld wert“, antwortet:

Rational gesehen, ja.

Und nachschiebt:

Geld ist relativ. Es gibt nichts Dümmeres, als einen Bewerber, den man will, wegen einem zu hohen Lohn nicht einzustellen.

Dann äussert er sich, wie sich ein Mitglied dieser Genossenschaft nicht äussern darf. Denn die gegenwärtige Diskussion dreht sich im Kern nicht um Neid, sondern um Identität.

Die Abstimmungen zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung berührt denselben, schweizerische Identität stiftenden Kern und deshalb eine unverrückbare Haltung: Wir wollen keine (Geld)-Fürsten. Lieber nehmen wir Steuereinbussen oder andere Unannehmlichkeiten in Kauf.

Wer einen Eid ablegt, verpflichtet sich auch, die Konsequenzen zu tragen.

Die NZZ beschreibt heute unter dem bezeichnenden Titel „Nicht laute, sondern die richtigen Töne“ wie ein Eidgenosse – hier ein weibliches Mitglied – zu sein hat:

Sie ist bescheiden geblieben, obwohl sie es mit dem Jodlerklub Wiesenberg bis an die Spitze der Hitparade gebracht hat: Silvia Windlin.
Statt bei kurzfristigen Erfolgen abzuheben, arbeitet Windlin lieber im Hintergrund und setzt auf langfristige Planung.

PS zum Bild: Am letzten Freitag waren wir, wie Hunderte andere, zur Hodler-Vernissage der Fondation Beyeler eingeladen gewesen. Eine sehenswerte Schau und – Besitzerhinweise – gedacht: Vermögen, die mehrfach weitervererbt wurden, sind, weil saubergewaschen, von den Eidgenossen akzeptierte Vermögen.

Kategorie: Politik Stichworte: Politik

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Co Bo meint

    28. Januar 2013 um 12:48

    Auch Dividendenbezüger sind scheinbar keine „Abzocker“ – siehe hier:

    http://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/50-mio-pro-roche-erbe-trotzdem-gelten-sie-nicht-als-abzocker-125970065

    Allerdings gibt’s da auch noch ein paar andere Unterschiede…

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