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Herr Rist und mein Raucherproblem

9. März 2012 By Manfred Messmer

Machen wir heute also eine Mediensondernummer.

Immer Freitags gibt’s die BaZ gratis auf Papier. (Ich hatte bis vor ein paar Monaten nur noch die pdf-Ausgabe abonniert, so wie DIE ZEIT, die SonntagsZeitung, die NZZ am Sonntag. Die Schnupper-WELTWOCHE kommt noch auf Papier, aber die lade ich auch als pdf runter).

Heute gab’s also wie immer am Freitag und am Sonntag die Basler Zeitung.

Ich blättere mich durchs Blatt und bleibe an der Schlagzeile: „Lehrermangel ist zu erwarten“ hängen, schliesslich ist einer im Nachwuchs dabei, Lehrer zu werden.

Darunter steht: „Von Urs Rist“.

Urs Rist – mit dem habe anfangs der 80er Jahre das Büro geteilt. Er hat sich immer genervt, dass ich, damals Kettenraucher => Schriftsteller => Henry Miller, Eine nach der Anderen angezündet habe. Ich fand damals, er soll nicht so blöd tun, schliesslich rauchen ja alle in dem Laden.

Ausser ihm und noch zwei anderen abstinenten Blödmännern.

Wenn er sich an seinem Kinnbärtchen kraulte, dann war meine Antwort auf seinen Raucherprotest: „Na Urs, bist du wieder auf der Suche nach einem Schulproblem?“

Die Schulen, das war sein Thema.

Später hat er angefangen, nur noch in Frauenkleidern rumlaufen, was mich ziemlich umgehauen hat, als ich ihn erstmals in den neuen Klamotten sah. Mich hat die sexuelle Ausrichtung der Kollegen eigentlich noch nie interessiert. -minu hat allen selbst erzählt, dass er schwul sei. Ich hatte keine Ahnung von seinen Neigungen.

Ja, der Urs Rist.

Das mit dem Rauchen – er hatte ja recht. Und ich will mich jetzt auch nicht damit rausreden, dass damals  halt die Raucher die Lufthoheit in den Büros beherrschten.

Ich habe zu der Zeit, als ich mit ihm das Büro geteilt habe, tatsächlich mit Rauchen aufgehört. Von einer Minute auf die andere.

Ich hatte eben eine Neue angezündet, während die andere halb abgebrannt auf dem Rand des Aschenbechers auf den nächsten Zug wartete. Das machte mich derart wütend, dass ich zu Urs sagte: „Jetzt ist Schluss, ich werde von jetzt an nie mehr rauchen.“

Ich weiss nicht mehr, was er gesagt hat. Wahrscheinlich hat er gar nichts gesagt. Er hat ja nie wirklich viel geredet.

Das war’s dann mit dem Rauchen. Vielleicht mal eine Zigarre, aber sehr selten.

Mich freut, das Urs Rist noch immer über Schulprobleme schreibt. Weil, irgendwie ist die Welt doch noch in Ordnung, wenn Urs Rist über Schulprobleme schreibt.

Im Radio berichtet Sabine Manz über Pharmaimporte. Herr Cueni sagt auch was Gescheites, wie er es immer tut. Ich meine, der Herr Cueni, der hat mal für die Nationalzeitung – oder waren es die Basler Nachrichten, aus London berichtet. Damals war Herr Cueni gefühlt schon so alt wie er heute aktuell ist.

Heute ist offensichtlich der Tag der Mediendinos.

Kategorie: Medien Stichworte: Medien

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. U. Haller meint

    10. März 2012 um 22:28

    Hach, Schulerlebnisse kommen da hoch, lang ist’s zwar her. Ein spezieller Kauz war er schon damals, der Urs Rist eben. Nur vergisst man solche Figuren, die sich etwas vom grauen Mittelmass abheben, nicht so schnell. Und das hat auch seine guten Seiten. Graue Mäuse gibt’s zuhauf, bekanntlich.

  2. Baresi meint

    9. März 2012 um 16:45

    Nana, jetzt nicht sentimental werden, Herr MM. Dank Ihrem Blog ist fast jeder Tag ein Tag der Mediendinos. 😉

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