• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Konkordanz, Konkordanz, Konkordanz

15. Dezember 2011 By Manfred Messmer

Ein Gastbeitrag von Ralph Hutter*

Da haben wir eine starke, erfahrene, belastbare SVP Politikerin in den Bundesrat gewählt (zugegeben – nicht die Wunschkandidatin der SVP), die in einer unglaublichen Schmierenkomödie von der Partei ausgeschlossen wurde, um in den Folgejahren gebetsmühlenartig zu Gehör zu kriegen, man sei politisch nicht mehr vertreten. Wenn man nun grosszügig über die exakte Parteizugehörigkeit hinwegsieht, bleibt der Fakt, dass Eveline Widmer Schlumpf weiterhin in ihrer angestammten Ausrichtung politisiert. Eine thematische Vertretung ist/war also jederzeit gegeben. Nicht arithmetisch, aber thematisch. Konkordanz erhalten. Thema erledigt.

Bildquelle – Blick: Tweetpic

Als zeitgenössisch liberaler und parteipolitisch unabhängiger Mensch finde ich in den meisten bürgerlichen Parteiprogrammen Themen – von links bis rechts -, die mich bewegen und die ich gerne im Parlament adressiert wüsste. Vereinzelt sogar solche der SVP. Nur; die penetrante Fokussierung der SVP auf die EU- und Ausländer Themen und damit die völlige Absenz von Anliegen, die eine “Volkspartei” besetzen müsste: Umwelt – angesichts Fukushima-, Bildung (nein, nicht Harmes), Familie, Wirtschaft ist mir völlig unerklärlich.

Dies in Kombination mit andauernden, Angst schürenden “Hasskampagnen”, über Jahre vorgetragen von den wenigen omnipräsenten Meinungsmachern in unerträglicher Selbstherrlichkeit, macht die SVP für mich nicht mehr wählbar. Medial zwar immer clever inszeniert, aber auf die Dauer eben unerträglich.

Ich störe mich am Stil und an der Tonalität. Ich kann Blocher, Brunner, Mergelig und mittlerweile auch Baader und Ricci nicht mehr hören (von Schlüer ist glücklicherweise nicht mehr viel zu hören). Diese per se beleidigte Grundhaltung seit Christoph Blocher abgewählt wurde. Dieser grundsätzliche Antireflex gegen alles, was nicht aus dem eigenen Parteiprogramm stammt. Die stetigen Drohgebärden, um nicht zu sagen Erpressungsversuche mit dem Gang in die Opposition, diese teilweise beleidigenden Reaktionen auf entgegengesetzte Positionen in einer Demokratie. Der Umgang mit der FDP, einem langjährigen Politpartner, und ultimativ, die Reaktion auf die heutigen Bundesratswahlen bezeugen, dass etwas aus dem Ruder läuft. Nämlich die Kommunikation und die Besinnung auf die eigenen Werte einer Volkspartei.

Die medialen Rampensauen versperren seit Jahren den Blick auf das breite Spektrum der Parteiarbeit der SVP, auf hochaktuelle Themen, die Bevölkerung bewegen und in der Partei eigentlich auch behandelt würden. Die vielen gemässigten Vertreter in der Partei geraten zu Statisten, haben entweder bereits zur BDP gewechselt oder haben sich von einer Bundesratskandidatur ausgenommen.

Retrospektiv gesehen hatte die Partei vier Jahre Zeit, sich der selbstverschuldeten Misere zu stellen und sich professionell in Stellung zu bringen. An Geld, Beraterstimmen und Medienkontakten hätte es sicherlich nicht gemangelt.

Und nun folgt die unsägliche Anreihung an Fauxpas. Die Nominierung von Bundesratskandidaten gerät zum Spiessrutenlauf. Absagen, Zusagen, Leichen im Keller, weinerliche Pressekonferenzen, Ersatzkandidaten mit Vorbehalten, Tohuwabohus und Alleingänge der Parteispitze, welche sogar Fraktionsmitglieder danach sprachlos liessen. Zielloses Taktieren während der Bundesratswahl, und als ob es nicht genug wäre, noch eine unnütze und stillose Attacke auf die Nominierung des Bundespräsidenten.

Die Quittung dafür sind die vergangenen Ständerats- und Bundesratswahlen. Die Wahlerfolge der SVP der vergangenen Jahre und die Wähleranteile sind unbestritten. Sie gründen auf  berechtigten Ängsten, Sorgen und Themen, die die Schweizer Bevölkerung ernsthaft beschäftigen. Sie wollen zwar Vertreter im Parlament, die diese umsetzen, aber bitte in ordentlicher Schweizer Manier. Mit Anstand, Respekt und Kollegialität. Der Begriff Konkordanz ist überstrapaziert. Aber Anstand, Respekt und Kollegialität sind Begriffe, für die Herr und Frau Schweizer einstehen. Für und gegen die SVP.

In der Privatwirtschaft müssen bei Misswirtschaft Köpfe rollen. In der SVP gilt offenbar eine jahrelange Gnadenfrist oder die autoritäre Führung führt zu einer kulturellen Genickstarre. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass anstelle einer angedrohten, diktierten Oppositionsrolle die Jungen, die Gemässigten, die erfahrenen Unternehmer und die Familienväter das Ruder der Partei übernehmen. Sie können der SVP ein neues, zeitgemässes, reales Gesicht geben und das schmuddelige, patriarchische Image von Wenigen bis zur nächsten Bundesratswahl korrigieren.

PS: Die alten bürgerlichen Parteien schwimmen bei genauer Betrachtung thematisch aber nicht weniger und haben es verpasst, sich im Vergleich zur erfrischend neuen GLP ein klares politisches Profil zu geben. “Alle gegen die SVP” ist keine thematische Positionierung, aber derzeit ein Statement zur echten Konkordanz, die Arithmetik kurzzeitig vernachlässigt und Konkordanz über Anstand, Respekt und Kollegialität definiert.

—————————

*Ralph Hutter ist Autor und Herausgeber des Blogs pixelfreund.ch. Er schreibt über Web 2.0 Trends, Netzkultur, Digitalfotografie und neue Medien. Er ist Referent an Fachhochschulen, fährt leidenschaftlich gerne Vespa und alte italienische Motorräder. Über Politik schreibt der interkantonale Geist nur anlässlich von Bundesratswahlen und wenn es ihm „den Deckel lupft“.

Kategorie: Politik Stichworte: Bundesrat, SVP

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Markus Saurer meint

    15. Dezember 2011 um 16:38

    Du meine Güte, welch Gejammer. Da kann ich ja gleich den Tagesanzeiger lesen. Jeder soll so sein, wie er will. Abstimmungen und Wahlen sind dazu da, das wir wählen können.

  2. Libéralité meint

    15. Dezember 2011 um 13:05

    Selbstkritik kennt die SVP nicht. Ein weiterer Rückgang der Wähler wird folgen, da die neue Wählerschaft „Stammtischler“, welche erschlossen werden konnte, nicht an erfolglosen Dingen interessiert ist und darum nicht mehr an die Urne geht. Weiter kennt die SVP nur ein Thema, war schon bei der Autopartei etc. der Untergang!

  3. max meint

    15. Dezember 2011 um 13:02

    Was für eine Aneinanderreihung längst ausgelutschter Allgemeinplätze. Sie, Herr Hutter sehen grosszügig über so einiges weg. Wenn eine Partei eine Person als Vertretung Ihrer Interessen nicht akzeptiert (und das könnte beim Vorgehen dieser Frau keine Partei), vertritt sie diese Partei eben nicht. Diese Frau vertritt die Interessen einer 5% Partei. Nicht unbedingt das, was man unter Volkspartei versteht.
    Dass die SVP bei der Kandidatenauswahl unbestrittenermassen nicht geglänzt hat, geschenkt. Aber glaubt irgendjemand, dass die beste Kandidatenauswahl etwas am Wahlausgang geändert hätte? Im Ernst?

    • jean jadespring meint

      15. Dezember 2011 um 14:16

      „Diese Frau“ hätte ich zwar nie gewählt, aber sie zeigt euch den Finger! Und für diese Geste respektiere ich sie. Und mit mir nicht wenige im neugewählten Parlament. Dem Maurer hätten sie gestern auch den Ausgang zeigen sollen, aber dazu war die Neue Mitte zu schlapp.

      • max meint

        15. Dezember 2011 um 17:25

        Ihr Respekt ist wahrlich einfach zu bekommen. Ob irgendjemand darauf Wert legt, ist eine andere Frage.

  4. Hannes Felchlin meint

    15. Dezember 2011 um 12:06

    Finde den Artikel auch super; nur das P.S. kann ich zum Teil nicht ganz verstehen.
    Ich zitiere: „Die alten bürgerlichen Parteien …. haben es verpasst, sich im Vergleich zur erfrischend neuen GLP ein klares politisches Profil zu geben.“
    Was genau ist das KLARE politische Profil, ausser liberal und grün?

  5. Anton Keller meint

    15. Dezember 2011 um 10:08

    Man kann den Ball 1:1 den Medien weiterreichen. Nicht alle SVP-Themen sind den Medien eine Erwähnung wert, vor allem nicht jenige bei denen eben keine künstliche Empörung durch Überspitzung erzeugt werden kann.

    • jean jadespring meint

      15. Dezember 2011 um 11:30

      Was wären das denn für „jenige“ Themen? Gilt das Wort der SVPler denn gar nichts, dass diejenigen Themen, die sie auf Plakaten und in den Medien breitschlagen etwa nicht dem entsprächen, was sie wirklich meinen und ad nauseam selber sagen? Es gäbe noch verborgene Themen und Werte und Tugenden? Nachdem die das Maul bereits so voll genommen haben, gäbe es noch mehr noch dummdreister zu sagen? Wirklich?

  6. NU meint

    15. Dezember 2011 um 8:08

    Dieser auf den Punkt präzis formulierten Analyse gibt es nicht nur wenig, sondern gar nichts hinzuzufügen… Passt und sitzt!

    • jean jadespring meint

      15. Dezember 2011 um 9:13

      Wenn es einem erst jetzt „den Deckel lupft“ hat man vorher denn keinen gehabt? Ich bezweifle füglich, dass die SVP auch nur *ein* Thema „besetzt“ hält, das sich wirklich mit den Anliegen der Bevölkerung beschäftigt. Wer das Johlen dieser Leute anhören konnte und ihm jahrelang intellektuellen Gehalt zugestand oder diese Leute für „wählbar“ hielt, muss sich fragen lassen, ob er noch bei Trost gewesen sei und sich vielleicht einmal die Augen reiben oder von der Wirklichkeit reiben lassen. Hinzu tritt die hirnverbrannte Ideologie in Wirtschaftsfragen, da wurden auch nur immer dieselben Unsinnigkeiten wiederholt, von den sogenannten „Bürgerlichen“. Das Nachplappern, hört das nun auf, Herr Hutter?

Seitenspalte

Kommentare

  • Isaac Reber zu Der Plan eines Plans
  • Siro zu Der Plan eines Plans
  • Isaac Reber zu Der Plan eines Plans
  • Manfred Messmer zu Der Plan eines Plans
  • isaac reber zu Der Plan eines Plans
  • Daniel Flury zu Rutschung.

Letzte Beiträge

  • Riebli peterDie Beute
    11. September 2026
    Bei den nationalen Wahlen 2027 zeichnet sich im Baselbiet eine neue Normalität ab: Wer für den […]
  • SnapseedEin Hoch aufs Staatsversagen II
    10. September 2026
    Wenn wir gestern ein Hoch aufs Staatsversagen gesungen haben, kommen wir nicht umhin, die Leute zu […]
  • Kantonsspital Baselland Standort BruderholzEin Hoch aufs Staatsversagen
    9. September 2026
    In Liestal schaut jede Kommission durch ihre eigene Brille auf dasselbe Spital. Die […]
  • IMGDer Plan eines Plans
    8. September 2026
    Isaac Reber tritt ausgerechnet in jenem Moment ab, in dem sein grösstes Vermächtnisprojekt zur […]
  • ScreenshotRutschung.
    7. September 2026
    Die politische Verschiebung im Osten Deutschlands lässt sich an meinen Lesegewohnheiten ablesen. […]
  • Mermaid diagramDer Dorfbach und das Deutungsmonopol
    4. September 2026
    Citoyens haben heute ganz andere Möglichkeiten der politischen Mitwirkung als noch vor zwei, drei […]
  • SnapseedDas Amt verwaltet
    3. September 2026
    Die Medien jubeln Isaac Reber im Chor hoch. Ich reibe mir die Augen: Reden sie vom selben […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework