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Déja-vu mit Herrn Grübel

19. September 2011 By Manfred Messmer

Ich musste schmunzeln, als ich diese beiden Sätze von Herrn Grübel las:

„Ich muss die Konsequenzen daraus tragen“. „Die oberste Verantwortung dafür liegt bei mir.“

Denn sie lösten bei mir ein ziemlich heftiges Déja-vu aus.

Anfangs der 90er Jahre war die BKB dank Herrn Rey und noch einem anderen Spekulanten ziemlich heftig in Schieflage geraten. Der damalige Bankratspräsident holte mich, um die bis dahin nicht-kommunizierende Geschäftsleitung zu coachen.

An einem Samstag übten wir in unserem Sitzungszimmer für die Pressekonferenz für Montag. Nach einer Stunde Anhören der von den Geschäftsleitungsmitgliedern vorbereiteten Statements, fragte ich etwas entnervt: Könnte mir mal jemand erklären, wer denn die Verantwortung für das Desaster trägt?

Der Geschäftsleitungsvorsitzende – er war damals lediglich primus inter pares – antwortete: „Ich“.

Schön, meinte ich, dann sagen sie das bitte auch.

Und so fiel denn am Montag so gegen halb elf der Satz: „Ich trage die volle Verantwortung.“

Es war der Satz, der die Schlagzeilen lieferte.

Und wenige Wochen später zum Rücktritt des Geschäftsleitungsvorsitzenden führte. Der Rest der Geschäftsleitung ist in den folgenden beiden Jahre ausgewechselt worden.

Kategorie: Wirtschaft Stichworte: Wirtschaft

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Elisabeth Schcoch meint

    24. September 2011 um 12:14

    Lieber M.M.

    Diesmal ging es nicht mal ein paar Wochen. Wie recht Sie mit Ihrem Artikel vor gerade mal 5 Tagen hatten. Im Nachhinein sagen jetzt natürlich alle, das war offensichtlich. Als ich Ihren Beitrag gelesen habe, dachte ich, dass das eine Hoffnung für das beschädigte Image der UBS sein könnte.

    Wie kann man Vertrauen wiederherstellen, nachdem im Investmentbanking nur kurz nach dem Supergau wieder ein Verlust von 2.3 Mrd. auftaucht, wenn an oberster Stelle genau ein solcher Investmentbanker steht? Und wie kann ein Konzernchef sagen, er hätte von nichts gewusst, wenn es um 25% eines mutmasslichen Gewinns geht. Da überschätzen offensichtlich einige Leute ihre Fähigkeiten.

    Lassen wir uns also überraschen, wer der Nachfolger ist.

    Herzlichst
    E.S.

  2. bugsierer meint

    19. September 2011 um 19:17

    ha, genau. an diese story rund um rey (was macht der eigentlich heute?) erinnere ich mich auch noch und der deschavü-effekt ist tatsächlich frappant.

  3. Hp. Weibel meint

    19. September 2011 um 9:16

    In meinen Unterlagen befindet sich seit Jahren die folgende Anmerkung: „Verantwortung ist nur dann gefordert, wenn etwas nicht wie vereinbart funktioniert; dann bedeutet es, dafür einzustehen, dass das vereinbarte Ziel erreicht wird. Alles andere bezeichnet man mit „zuständig“.“ Wenn Herr Grübel dies in diesem Sinne versteht, die Trennung von Investmentbanking und Vermögensverwaltungsgeschäft vorantreibt, dann heisst dies Verantwortung übernehmen.

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