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Chaotische Systeme kann man nicht beherrschen

10. August 2011 By Manfred Messmer

Die Nationalbank kämpft heute erneut verzweifelt gegen den teuren Franken an. Im Moment liegt er bei 1.04, das sind 0.01 Rappen mehr als bei der Eröffnung.

Sollte es der Franken so um 15.00 Uhr herum nicht auf 1.06 schaffen, dann nämlich, wenn die Amerikaner wieder im Geschäft sind, fällt er heute möglicherweise gar unter 1:1.

Dagegen gibt es keine Rezepte, weder politisch noch finanztechnisch. Es gibt nur rituelle Handlungen wie runde Tische.

Bei der internationale Finanzindustrie handelt es sich um ein chaotisches System, dessen Verhalten sich nicht voraussagen lässt.

Wer wissen will, wie dieses chaotische System gesteuert wird, soll einfach jede einzelne Meldung lesen, welche das weltweite Mediensystem heute absondert – übrigens auch ein chaotisches System.

Ist das bewältigbar? Nein.

Die Summe dieser Meldungen reflektiert die Gedankenlage in der Noosphäre, dem „kosmischen Membran, das sich durch die elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus gelegt hat, ein technisches Gehirn für die Welt“ (Marshall McLuhan).

Es gibt Leute, die in chaotischen Systemen Muster zu erkennen glauben.

Die geben beispielsweise gescheite Börsentyps. Gemessen an jenen, die an den Börsen in den letzten Jahren heftige Verluste eingefahren haben, sind die Gewinner der Kategorie Zufall zuzurechnen, das heisst „dem Zusammentreffen von mehreren Ereignissen, für die keine kausale Erklärung gegeben werden kann“. Quelle

Interpretationen nach der Gewinnmitnahme ist nichts als Gockeln.

Wenn also beim Devisen- oder Börsenhandel nach all den vielen Jahrzehnten des täglichen Tuns und Analysierens noch immer kein garantiert gewinnbringendes System entwickelt werden konnte, wie will dann die Politik oder die Notenbank der Schweiz aus der gegenwärtigen Finanzkrise einen kontrollierten Ausweg finden?

Kategorie: Finanzkrise Stichworte: Finanzkrise

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. quer meint

    10. August 2011 um 14:50

    Die Wahrscheinlichkeit, daß der CHF bei 0,95 gegenüber dem Euro liegt, ist ungleich höher als das Verhältnis 1,05 zum Euro.

    Und das wäre gut. Da braucht dann Nestle nicht mehr zu jammern und kaufte stattdessen Unilever.

  2. Anton Keller meint

    10. August 2011 um 13:37

    Sichere Gewinne sind nur mit Insiderwissen möglich oder dort wo der Staat für Marktversagen sorgt.

    Daher ist es ein gutes Zeichen, dass den Investmentbanker nicht so gut geht.

  3. Markus Saurer meint

    10. August 2011 um 13:06

    Lieber M.M., zwar hat es viel Richtiges und Interessantes in Deiner Chaostheorie, doch trifft diese auf die aktuelle Lage der Währungen wohl nicht (mehr)zu. Sobald das Überschiessen der Wechselkurse ein gewisses Ausmass angenommen hat (und zwar in Bezug auf das von den realen Facts „richtige“ Wechselkursniveau), können sich die Erwartungen und damit die Wechselkurse sehr rasch und sehr stark erholen. Baltensperger beschreibt in der heutigen NZZ, wie dieser Mecano funktionieren könnte und was die SNB dazu beitragen kann, dass er in Gang kommt. Ich bin auch skeptisch, was Interventionen anbelangt, aber jetzt ist wohl die Ausgangslage günstig für die Initiierung von Korrekturen. Gruss. M.S.

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