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Wahlprognose: FDP, CVP, SP verlieren; GLP neu im Landrat

28. Februar 2011 By Manfred Messmer

M.M. /  h.s. Erste Wahlprognose auf arlesheimreloaded: SVP gewinnt Sitze hinzu, SP, FDP, CVP und GPS verlieren. Neu zieht die GLP in den Landrat ein – wir sagen ihr 3 Sitze voraus. Ungewiss ist, ob es der BDP reichen wird. Falls ja liegt höchstens ein Sitz drin.

Allgemeine Lage

Für die EVP und GPS war das Wahljahr 2007 ein überaus erfolgreiches Jahr gewesen. Das bestimmende Thema war damals die Umwelt (Klimawandel) und die Links-Mitte-Wähler suchten eine Alternative. Anders jetzt. Umweltschutz ist kaum mehr ein Thema und der Links-Mitte-Wähler findet dieses Mal eine grössere Auswahl an Parteien vor.

Ein Sonderfall stellte 2007 die FDP dar. Sie schaffte vor vier Jahren das Baselbieter Wunder – einen Sitzgewinn zu erreichen und gleichzeitig Stimmen zu verlieren. Derartige Wunder ereignen sich sehr selten.

Die SVP ist in den vergangenen vier Jahren im unteren Baselbiet stärker geworden und hat schon kurz nach den letzten Wahlen den Angriff auf den rechten Flügel der CVP eröffnet. Reinach, Oberwil, Therwil, Allschwil und das Laufental sind ihre Jagdgebiete.

Die SP konnte in den letzten vier Jahren den schleichenden Rückgang nicht stoppen.

Die FDP ist mit internen Problemen beschäftigt, zudem wird sie von der SVP bedrängt, hat im unteren Kantonsteil mit den Folgen der Theaterabstimmung zu kämpfen und hat in diesen Wahlen die BDP und die GLP als neue Konkurrenten.

 

Wahlprognose

Nationale Trends werden auch auf die Baselbieter Wahlen Einfluss haben. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die SVP noch stärker werden wird. 2007 hatte sie 22,5% erreicht. Das selbst gesteckte Wahlziel von 30% ist jedoch ein Wunschtraum, der sich nicht erfüllen wird. Trotz eines gewissen Aufholpotenzials im unteren Kantonsteil und im Laufental wird der Zähler bei 24% bis 27% stehen bleiben.

Die SPS schwächelt zwar, kann aber mit einem Wähleranteil zwischen 21% und 22% rechnen.

Die FDP steht von allen Seiten unter Dauerbeschuss. Sie wird Federn lassen. Ihr Wähleranteil wird noch zwischen 18% und 20% liegen.

Die CVP ist ebenfalls in schlechter Verfassung. Sie spürt keinen nationalen Aufwind und in ihren Stammgebieten wird sie von der SVP bedrängt. Voraussage: Die CVP wird  10% bis 11% Wähleranteil erreichen.

Die GPS hatte 2007 ihren Zenit erreicht. Heute steht sie unter Druck der neuen GLP, zudem hat das Umweltthema als Zugpferd ausgedient. Doch dank ihrer starken Kampagne und ihrem Regierungsratskandidaten Isaac Reber wird sie nur wenig verlieren und neu bei 11% bis 12% liegen.

Die EVP hatte 2007 ein Spitzenergebnis erreicht. Obwohl die Konkurrenzpartei EDU nicht antritt (2007 0,36%) wird sie die damals erreichten 5,6% nicht halten können. Da sie aber viele Stammwähler hat und in den an Attraktivität zulegenden Freikirchen neue Wähler erreichen kann, sind die Verluste überschaubar: das EVP-Ergebnis wird zwischen 4,9% und 5,4% liegen.

Die SD tritt nur in zwei Wahlregionen an. Letztes Mal lag sie noch bei 3,86%, sie wird erneut Federn lassen.

Zu den beiden Neuen: Die BDP macht zwar viel Lärm und Bundesrätin Widmer-Schlumpf ist extra aus Bern angereist, um den Parteikollegen in Baselland Schützenhilfe zu leisten. Aber die BDP ist im Baselbiet kein SVP-Ableger sondern eine echte Neugründung. Und – der nationale Trend schwächt sich ab. Die BDP wird es deshalb im Landkanton schwer haben. Abgesehen von möglichen lokalen Ausnahmen wird sie kantonal höchstens 2% bis 3% erreichen.

Die GLP hat es da besser. Ein starker nationaler Trend verhilft ihr auch im Kanton Baselland für den nötigen Startschub. Man erinnere sich: bei den Grossratswahlen 2008 in Basel-Stadt hat die GLP  alle Politbeobachter und Wahlstrategen mit ihren auf Anhieb erreichten 5.1% überrascht. Die GLP wird trotz interner Querelen ein Resultat zwischen 3,5% und 5,5% erreichen.

Wie sieht es nun für die Parteien punkto Sitzverteilung aus?

 

Sitzverteilung zwischen Triumph und Alptraum

Wir haben für jede Partei zwei Szenarien errechnet:  Triumph und Alptraum. Die Wahrheit liegt wie meistens irgendwo in der Mitte und diese spiegelt die unten stehende Tabelle:

 

SVP: zwischen 22 und 27

Triumph: Sitzgewinne in alle Wahlregionen. 2 in Wahlregion 1, 2 in Wahlregion 2, 1 in Wahlregion 3, 1 in Wahlregion 4. Total 6 Sitzgewinne, Steigerung von 21 auf 27 Sitze.

Alptraum: nur 1 Sitzgewinn in Wahlregion 1, neu 22 statt 21 Sitze.

 

SPS: zwischen 18 und 22

Triumph: kein Sitzverlust, 22 Sitze.

Alptraum: 1 Sitzverlust in Wahlregion 1, 2 Sitzverluste in Region 2, 1 Sitzverlust in Region 3; Rückgang von 22 auf 18 Sitze.

 

FDP: zwischen 15 und 19

Triumph: ein Sitzverlust in Wahlregion 1, von 20 Sitzen wieder zurück auf 19 Sitze.

Alptraum: ein Sitzverlust in Wahlregion 1, 2 Verluste in Wahlregion 2, 1 Sitzverlust in Wahlregion 3 und 1 Sitzverlust in Wahlregion 4, von 20 Sitzen zurück auf 15 Sitze.

 

CVP: zwischen 9 und 11

Triumph: Alle Sitze werden gehalten.

Alptraum: Sitzverluste in Wahlregion 2 und Wahlregion 3, neu 9 Sitze.

 

GPS: zwischen 10 und 11

Triumph: Alle Sitze werden gehalten.

Alptraum: Ein Sitz in Wahlregion 4 geht verloren, neu 10 Sitze.

 

EVP: zwischen 3 und 5

Triumph: ein Sitzgewinn in Wahlregion 4

Alptraum: ein Sitzverlust in Wahlregion 1

 

SD: zwischen 0 und 2

Triumph: 1 Sitzgewinn in Wahlregion 3

Alptraum: Sitzverlust in Wahlregion 2

 

BDP: zwischen 0 und 4

Triumph: 1 Sitz in jede Wahlregion.

Alptraum: gar kein Sitz.

 

GLP: zwischen 0 und 4

Triumph: ein Sitz in Wahlregion 1, 2 Sitze in Wahlregion 2, 1 Sitz in Wahlregion 3.

Alptraum: gar kein Sitz

 

Wahrscheinliche Zielgerade (Mittelwert)

Partei Sitze 2007 Sitze 2011 Differenz
SVP 21 25 +4
SPS 22 20 -2
FDP 20 17 -3
CVP 11 9 -2
GPS 11 10 -1
EVP 4 4 –
GLP – 3 +3
BDP – 1 +1
SD 1 1 –

 

Lesen Sie morgen um 08.00 Uhr:

Wahlprognosen und Sitzverteilung für die Wahlregion 1 (Allschwil, Binningen, Oberwil) aufgrund der Prozent-Hürde, nationaler Trends und des Verteilmechanismus des Proporzsystems.

Kategorie: Politik Stichworte: Wahlen

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Jakob Rohrbach meint

    28. März 2011 um 1:22

    Zumindest bei der BDP war die Prognose ein ziemlicher Flopp, zum Glück für die BDP. Bezüglich der GLP gibt es aber nichts zu meckern, Zielvorgabe 100% erreicht.

  2. Isaac Reber meint

    1. März 2011 um 22:56

    Die Prognose ist nicht schlecht, nur bei den Grünen trifft sie nicht ganz zu:
    1) Selbst wenn die Prognose stimmen würde, bleibt der numerische Gleichstand, weil zu den 10 Landratssitzen ja noch der neue bei der Regierung kommt
    2) Hat die Grüne Fraktion gemessen an Ihrer Grösse weit überproportional gute Arbeit geleistet und wird darum mit 13 Sitzen belohnt.

    • M.M. meint

      2. März 2011 um 7:10

      Wähler belohnen nie. Sie strafen höchstens ab. 🙂

  3. Jamie oliver meint

    1. März 2011 um 6:15

    Steht jetzt sogar im 20minuten. Da können wir nur hoffen es trifft mehr zu als bei der BAZ Prognose. Naja wir werden sehen.

  4. Stephan Gassmann meint

    28. Februar 2011 um 13:19

    Nun ja, ich sehe es minim anders… Die FDP wird 2-3 Sitze verlieren. Die CVP wird ihre Sitze knapp halten können. BDP wird keinen Sitz machen und die GLP kommt auf einen 1-2 Sitze, da von dieser Partei im Wahlkampf nichts zu spüren ist. Beim Verbleib der SD im Landrat setze ich hingegen ein grosses Fragezeichen.

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