In Indien wird sich nichts ändern

20121230-192603.jpgNach zwei Monaten Intensivindien meine ich beurteilen zu können, dass sich nach dem abscheulichen Mord an einer jungen Frau in Delhi gesellschaftlich nichts ändern wird.

Wie auch.

Praktisch alle Ehen sind arrangiert. Verheiratet werden Mädchen im Alter von 16 Jahren, Burschen mit 18. Vollzogen wird die Ehe wenn der Mann das zwanzigste Altersjahr vollendet hat. In Gujarat hat das Parlament diesen Sommer das heiratsfähige Alter von Mädchen auf 14 Jahre gesenkt. Als Massnahme gegen Vergewaltigungen. Mit derselben Begründung sollen in diesem Teilstaat Hochzeitsfeste nur noch tagsüber stattfinden.

Die Inder sind ein Volk im Dauerstress, sexuell, materiell, religiös.

Die eigentliche Zeitbombe tickt still und leise vor sich hin: der stetig steigende Männerüberschuss. Schon in wenigen Jahren, so eine kanadische Studie, wird der Männerüberschuss in Indien 20% betragen.

In einem Krankenhaus in Delhi, habe ich irgendwo unterwegs gelesen, sollen Übergriffe von Ärzten auf Krankenschwestern alltäglich sein.

Die Politiker sind korrupt, der öffentliche Dienst ist korrupt. Die Polizei erst recht. An einer Strassenkontrolle wurde unser Chauffeur von einem Polizisten rausgewunken, der dann an dessen Zulassungspapieren rumnörgelte. Er wollte Geld. Nach gut zwanzig Minuten Diskussion sprach dessen Vorgesetzter von einem bedauerlichen Missverständnis.

So haut jeder jeden irgendwie übers Ohr.

Indien ist ein riesiger Mikadohaufen. Wenn man da versucht, ein Holzstäbchen rauszuziehen, wackelt der ganze Haufen.