Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Sie und Er und die Kultur

Liest ausser mir eigentlich noch jemand "Das Schweizer Nachrichtenmagazin" FACTS? Diese Woche publizieren die Zürcher ein Streitgespräch zwischen der Kandidatin und Herrn Meier (Yello). Als Chauvi, wie ich nun mal einer bin, befasse ich mich hier mit dem Aussehen der Kandidatin und den Worten des Herrn M. Dieser sagt Sätze wie diesen hier:

Es lässt sich kaum rechtfertigen, dass der Staat für Opernhäuser oder Theater so viel Geld ausgibt, dass also der Bürger als Ersatzaristokrat auftritt, ohne dafür zu bezahlen. 

Sie hat sich Mühe gegeben. Einen Akzent zu setzen, der zu ihrer Partei passt (oder sie denkt, der passe zu ihrer Partei): Rot. Erstes Föteli vor dem Theaterplatz: Bordeaurote Hosenstiefeletten (mein Gott, diese schwarze Gummisohle), schwarz-rote (zweites Rot) Handtasche und roter (drittes Rot) Regenschirm, Lippenstift rot (viertes Rot), scharze Hosen, schwarzer Rollkragenpulli, weisser Trenchcoat von H&M. Herr Meier sagt:

Ich wurde schon als Kulturexport eingesetzt. In Warschau durfte ich ein Textli vorlesen, weil die Polen die Musik von Yello kennen, nicht aber den Basler Lyriker Dieter Fringeli (war eigentlich ein Laufentaler Anm. M.M.). Wer soll denn die Schweiz vertreten? Der Bekannteste? Der Verrückteste? Oder der Sozialste? Eines der besten Instrumente der Schweizer Aussenpolitik ist Roger Federer. Ein wunderbarer Kulturexport, schliesslich gehört auch Tennis zur Kultur.

Nächstes Föteli: Herr Meier und Frau Fetz auf einem Bänkli im Park. Strümpfe von Wolford (quergestreift, deshalb beinbetont) Business-Deux-Pièces (längsgestreift), rotes Top und rote Pumps, Wildleder (rot, passt). Perlenkette (Immitation?). Herr Meier sagt:

Die Oper ist nicht innovativ, da wird immer wieder Altes abgefeiert. Völlig reaktionär. Unlängst sah ich im Opernhaus "Fidelio" von Beethoven - eine Katastrophe. Der Bösewicht einmal mehr in schwarzem Leder, die Bühnenbilder eine altkubistische Wiederholung dessen, was vor dreissig Jahren zu sehen war. Nur weil Don Giovanni im Tiperslip auftritt, ist das noch nicht modern.

Nein, Frau Fetz versucht es immer mal wieder, mit ihrem Outfit. Und sie schrammt jedes Mal leicht an dem vorbei, was man von einer 50 jährigen Frau - sie ist, wie man so sagt, inzwischen nicht mehr die Jüngste - erwarten müsste: Stil und Klasse.

Die gibt es selbst in der Sozialdemokratie, zum Beispiel die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli.

PS: Frau Fetz ist Präsidentin des Vereins "Swiss Music Export". Der wird vom Staat und der Migros unterstützt und über die Suisa-Gebühren bezahlen wir gleich zum dritten Mal mit. "It's aim is both to promote Switzerland's contemporary pop music industry and to develop international opportunities for it's musicians and producers", schreiben sie in der fünften Landessprache über Sinn und Zweck des Vereins.

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