Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Nix da mit schlechtem Gewissen

Die nächste Klimakonferenz steht vor der Tür. Mexiko. Die Schweiz will dabei eine tragende Rolle spielen, sagt Herr Leuenberger am Radio.

Das ist durchaus okay. Wir sind ja dafür, dass wir wegkommen von den fossilen Treib- und Heizstoffen. Aus politisch-strategischen Gründen. Diese Einsicht wird in der nächsten Zeit auch in den USA reifen. 

Zum Beispiel die neue Gaspipeline von Deutschland nach Russland - die ist zwar schön für die sichere Versorgung, aber da wird man dereinst je nach sich wandelnden Umständen einen hohen politischen Preis bezahlen müssen.

Doch nun will man uns in die nächste Schlechtesgewissenfalle tappen lassen.

Nachdem wir über Jahrzehnte Milliarden an sogenannter Entwicklungshilfe in den Süden gepumpt haben, mit wenig Nutzen aber viel schlechtem Gewissen von wegen Kolonialismus (meine Familie war daran beteiligt, weil sie regelmässig Kaffee und andere Dinge im Kolonialwarenladen kaufte), geht das Spiel nun von Neuem los: Wir haben in den letzten Jahrzehnten viel Schuld auf uns geladen, von wegen CO2-Verbrauch.

Nein. in diese Falle trampe ich nicht.

Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen, dass in den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts mein Döschwo - der hatte eine Knautschzone von Stossstange zu Stossstange - fast sechs Liter Benzin verbrauchte und das mit einem Motörchen mit ganzen 29 PS. Der Käfer meines Vaters verbrauchte damals sagenhafte 14 Liter auf Hundert Kilometer.

Es ist mir auch egal, dass der Kühlschrank in den 80ern punkto Elektrizitätsverbrauch kein Sparweltmeister war und auch punkto FCKW ein Umweltfrevler. Es ist mir auch wurscht, dass all die tollen Stereoanlagen, CD-Player, Radio- und Fernsehgeräte, die ich in den letzten Jahrzehnten verschliessen habe, keine Stand-by-Automatik hatten.

So war das nun mal. 

Und auch jetzt plagt mich kein schlechtes Gewissen, dass auf dem Parkplatz vor unserem Haus ein Auto steht (218 PS, 7.5 l / 100 km). Ob ich die Bahn, das Tram (alles gleich um die Ecke) benutze oder meinen BMW ist eine Frage der Zeitoptimierung und des Komforts. Da hat die Bahn oft die Nase vorne.

Es ist ja nicht so, dass wir das alles nur zu unserem Spass besitzen. Es ist ja nicht so, dass die Tausenden von Pendlern nur so aus Tollerei herumfahren. (Jeder Arbeitsplätz löst zwischen fünf und zehn Autofahrten aus.)

Da steckt Wertschöpfung dahinter.

Die Ressourcen, die in den letzten Jahrzehnten von unserer Generation verbraucht wurden, haben unter dem Strich enorme Mengen an nützlichen Dienstleistungen und Waren gebracht. Und zwar nicht nur uns, sondern auch den Ländern im Süden.

Wir müssen uns nur genau hinsehen: Nichts als in Hard- und Software gebundenes CO2.

Afrika telefoniert heute fast flächendeckend mit Nokias.

Die im Süden werden schneller auf Solarenergie umsteigen, als wir denken. Die Preise sind mächtig ins Rutschen geraten, seit auch in dieser Industrie die Marktwirtschaft zu funktionieren beginnt. (Die Frage ist nur, ob wir so blöd sein werden, das zu bezahlen und die Chinesen liefern zu lassen.)

Ich fahre sofort mit einem Auto herum, das nur noch zwei Liter verbraucht. Überhaupt verbrauchen wir heute massiv weniger Energie als noch vor fünf, zehn Jahren (allein wenn ich an die Heizkosten dieses 100 Jahre alten 8-Zimmerhaus denke, wo wir früher gewohnt haben oder an die ebenso alte Villa in bester Lage, wo wir bis vor kurzem unsere Büros hatten ...).

Aber ich bin nicht bereit, auf meinen Lebenskomfort zu verzichten. Ich rede nicht von Kaviarluxus, sondern einfach von Lebensverhältnissen, die mir ermöglichen das zu tun, was ich tue.

Also: Nix da mit schlechtem Gewissen. 

Arlesheim: 13° plus

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

EBBE...

  • Von: LINDER
  • , 22. Dezember 2009,
  • 18:15

..Und damit dann alle mit Autos herumfahren, die nur noch 2 L/100km verbrauchen, müssen einfache Rahmenbedingungen her, welche diese sparsamen Produkte der Industrie mit einem höheren Faktor pushen. Da muss der Staat seine Rolle einnehmen mit Lenkmassnahmen.
Wenn dann am Schluss mehr Leute sparsamer mit den Resourcen umgehen, wer kann da was dagegen haben? Wenn sich die Leute mehr bewegen - dann wird sogar unser Gesundheitsminister Freude haben. Und ohne 'Wampe' siehts eh besser aus, im Fall..

Erklärungsbedarf

  • Von: mas
  • , 22. Dezember 2009,
  • 18:47

kann mir mal jemand helfen? Es ist doch absolut illusorisch zu meinen, das Öl und Gas sowie die Kohle werden nicht ratzteputz gebraucht, bis es sich eines Tages wirklich nicht mehr lohnt. Vorausgesetzt, unsere Zivilisation nimmt ungestört ihren lauf..
Es ist einfach so, dass diese Technik mittlerweile über die ganze Kugel verbreitet ist und auch überall verstanden wird.
Also begrenzen sich alle Mühen auf die Verschiebung eines Ereignisses auf der Zeitachse. Die Frage lautet doch:
Sind die Vorräte vlt. in 150 Jahren oder erst in 180 Jahren weg (meine Fantasiezahlen). Machen diese 30 Jahre den Braten fett, retten sie gar die Welt?
Erst wenn die Rohstoffe tatsächlich knapper werden, werden wir von der Industrie Lösungen geboten bekommen.
Wenn die "Mächtigen" schon ums Verrecken Regulieren wollen, sollten sie versuchen, bei der Übervölkerung anzusetzten.
Was jedoch wohl leider in Konflikt mit dem globalen Wirtschaftssystem geraten würde...
Aber da hat wohl niemand eine Antwort, weshalb es eben einfacher ist, die nächste Blase mit diesem perversen CO2-Zertifikatehandel zu installieren. Es bleibt für diese Typen ja immer was hängen.

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch