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Herr Merz muss zurücktreten. Jetzt.

Bundesrat Merz muss zurücktreten. Da führt kein Weg daran vorbei. Er hat es so angekündigt, wir haben es alle gehört und deutsch und deutlich verstanden: Wenn die beiden Schweizer nicht um Mitternacht des 31. August  zurück seien, verliere er das Gesicht. Und: Er trage die Verantwortung.

In der Schweiz trägt niemand die Verantwortung für sein politisches Handeln. Das gehört mit zur politischen Kultur dieses Landes. Deshalb sagt auch niemand, wenn das oder jenes nicht eintritt, übernehme er oder sie dafür die Verantwortung.

Doch Herr Merz hat dies getan, wofür ihm Respekt gebührt. Er hat mit seinem Flug nach Libyen alles auf eine Karte gesetzt, den aussenpolitischen Handlungsspielraum in dieser Sache bis an den Rand des Möglichen ausgeschöpft und seine politische Karriere damit verbunden.

Wie wir alle sehen, hat er das diplomatische Pokerspiel mit Libyen verloren und damit ist auch seine politische Karriere zu Ende. Herr Merz hat die Schweiz in eine aussenpolitische Krise geführt, die Tag für Tag weiter eskaliert.

Nun hören wir aus dem Berner Insiderkuchen, verbreitet vom Staatsfernsehen, aber das könne er doch nicht tun, dann triumphiere der Diktator im Beduinenzelt erst recht.

Unsinn. Es geht in dieser Frage nicht um Herrn Qaddhafi, denn es ist völlig egal, was dieser geölte Operettendikator denkt oder sagt.

Es geht allein um das politische System in diesem Land, um die Glaubwürdigkeit UNSERER Politiker.

Wenn also ein Bundesrat zum Erstaunen der Öffentlichkeit sagt, er übernehme die Verantwortung für sein Handeln, dann soll er sich gefälligst daran halten. Und wenn dieser Politiker sagt, er werde ab dem 1. September ohne Gesicht politisieren müssen, dann nehmen wir das zum Nennwert.

Woraus folgt: Herr Merz muss zurücktreten und zwar jetzt.

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Verantwortung

  • Von: Peter Sachser
  • , 07. September 2009,
  • 14:08

Ein Kuriosum in unserm Land ist, dass wir weder impeachment noch Vertrauensfrage kennen. In der demokratischsten Demokratie der Welt geht die Regierung nur, wenn sie Lust - oder Anstand- hat. Dank der Zauberformel - Friede ihrer Asche- muss man sich auch kaum vor einer Nichtwiederwahl fürchten.

Wie kann man da so dumm sein und freiwillig die Übernahme von Verantwortung in Aussichtstellen? Wer damals Merz's Worte hörte, konnte es kaum glauben! Jetzt sind wir schlauer, es war alles nur ein kurzer Anfall von Staatsmännlichkeit, der aber wieder spurlos verflogen ist. Merz hätte den Applaus genommen, die Prügel will er aber auf den Gesamtbundesrat, das Volk, das Parlament, Herrn Gaddafi, ABB oder sonst wen verteilen lassen. Offenbar wurde nie versprochen, dass die Geiseln frei kommen -wo ist denn der berühmte Brief???- und wie es scheint war mindestens einer der ABBler tatsächlich illegal in Libyen. Es läuft also ein normales, rechtsstaatliches Verfahren, die Regierung hat versprochen, es bis zum 1. September wieder an die Hand zu nehmen und beschleunigt zu behandeln. Würde unsere Regierung einem ausländischen Staat unter Umgehung der Justiz etwas liefern, nur weil jene Druck aufsetzen? (Ok, sie würde wohl, siehe UBS)

Sind alle Ausländer in Schweizer Gefängnissen *Geiseln*? Würden wir Leute, die gegen die Schweizer Rechtsordnung verstossen haben einfach ziehen lassen, damit sie dann untertauchen und weder zum Gerichtstermin noch zum Strafantritt wiederkehren? Bei uns würde ein Ausländer bis zum Prozess wegen Fluchtgefahr in U-Haft bleiben.

Mit etwas Respekt vor dem Volk hätten wir am 16. September eine Doppelvakanz und könnten uns weitere Peinlichkeiten ersparen!

AuG 115

  • Von: Daniel Ordás
  • , 07. September 2009,
  • 22:23

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe wird bestraft, wer:

a.
Einreisevorschriften nach Artikel 5 verletzt;
b.
sich rechtswidrig, namentlich nach Ablauf des bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthalts, in der Schweiz aufhält;
c.
eine nicht bewilligte Erwerbstätigkeit ausübt;
d.
nicht über eine vorgeschriebene Grenzübergangsstelle ein- oder ausreist (Art. 7).

Das steht nicht im Koran oder in der Sharia, das steht in unserem CH-Ausländergesetz und bei uns kann man nicht frei im Land herumlaufen und auf der Botschaft übernachten. Ausländer, die bei uns gegen die Regeln verstossen warten ihren Prozess tatsächlich in Untersuchungshaft ab, auch wenn ihr Präsident das Gepäck aubholen lässt.

Natürlich kann man sowohl in der Schweiz als auch in Libyen grosszügige Ausnahmen machen, aber nur wenn man will. Des einen Ermessen ist des anderen Willkür!

Re: Herr Merz muss zurücktreten. Jetzt.

Hallo, Herr Messmer, wir leben in der Schweiz. Merz wird ein bisschen gerüffelt von den Kollegen, die Medien verlangen seinen Rücktritt - und er bleibt eben doch. So war es doch schon immer.

Der falsche Zeitpunkt und der falsche Vorwand

  • Von: Titus
  • , 04. September 2009,
  • 19:00

Mit dieser Argumentation bin ich nicht einig.

PolitikerInnen sollten für ihre politischen Handlungen und Entscheidungen die Verantwortung übernehmen und nicht wegen eines wohl zu mutig geäusserten Satzes.

Bundespräsident Merz sollte demnach nicht wegen dieses Satzes zurücktreten müssen, sondern weil die ganze Aktion nicht nur in die Hosen ging, sondern insgesamt der Schweiz und ihrem Ruf geschadet hat.

Und: Bundespräsident Merz sollte auch nicht nur wegen dieser Angelegenheit zurücktreten müssen. Fehler können passieren, nur häufen sie sich bei ihm, wenn ich ans UBS-Dossier oder ans Bankgeheimnis/OECD-Dossier denke. Auch hier hat Herr Merz durch sein Verhalten nach dem Prinzip «Gouverner ce n'est PAS prévoir» der Schweiz ziemlich geschadet.

Er sollte zurücktreten, allerdings erst, nachdem die beiden Schweizer frei sind oder, falls dies nicht innerhalb der fraglichen 60 Tage geschieht. nach Ablauf dieser Frist. Damit kann er dann auch die politische Verantwortung für den von ihm misslungenen Kuhhandel übernehmen.

Einig mit der Begründung

  • Von: albi
  • , 04. September 2009,
  • 14:58

Auch wenn BR Merz in grösserer Abstimmung mit dem BR gehandelt hat, als dass dieser jetzt zugeben will: Ich stimme mit M.M. überein. Nicht Qaddhafi (die ganze Operette zwingt einem noch, zu schauen wie er sich und sein Land schreiben!!) hat sich hinausgelehnt, sondern Merz. Er und nicht Ghaddhafi o.ä. hat sich geäussert. Merz war schon immer etwas kurzsichtig. Aber offenbar zu eitel, eine "Brille" zu tragen. Und zu dieser Kurzsichtigkeit kommt offenbar noch Gläubigkeit, vielmehr Leichtgläubigkeit. So einen schwafelnden Politiker brauchen wir nicht, auch wenn dadurch die FDP weiter geschwächt wird.

Glaubwürdigkeit verloren

  • Von: Ischkur
  • , 04. September 2009,
  • 14:40

Ich bin völlig deiner Meinung. Für mich hat Herr Merz seine Glaubwürdigkeit nicht verloren, weil die Geislen noch nicht da sind. Er hat sie Verloren, weil er gesagt hat, er werde die Konsequenzen tragen, falls sie nicht da sind am 1. September.

Ein Mann, ein Wort - ein Politiker, ein Aussetzer?

Wie leichtfertig Politiker doch ihr Wort geben und dann doch nicht die Konsequenzen draus ziehen wollen. Die Konsequenz muss ja nicht gleich eine Badewanne in Genf sein, aber die eigene Glaubwürdigkeit zu manifestieren stünde einem Politiker sehr gut an. Lieber ein Abgang in Würde... dazu gehört eben auch, die Fehler einzugestehen und dazu stehen.

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