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Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
Von M. M., 08. Februar 2010 – 13:45:00
Da bloggt man mal einen halben Tag nicht und schon wird per Mail nachgefragt, weshalb man nichts schreibe, schliesslich sei die Meldung des Tages der Verkauf der Basler Zeitung an Tito Tettamanti und Martin Wagner.
Antwort: Weil ich dort war.
Disclaimer: Ich habe mich im Auftrag der Familie Hagemann um die Medienarbeit gekümmert.
Vor diesem Hintergrund meine Bewertung.
Diese Lösung ist die beste Lösung, was auch immer kommentiert wird. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen, Basler Zeitung hin Basler Zeitung her, bleibt ein nicht unwichtiger Zeitungstitel in diesem Land unabhängig, wird nicht einem Grossverlag zugeschlagen.
Die BaZ wird deshalb nicht zu einem Kopfblatt, wie beispielsweise der Bund, sondern wird weiterhin vollständig in Basel produziert und von einer hier verankerten Redaktion verantwortet.
Des weiteren ist es zu begrüssen, wenn private, unabhängige Investoren und nicht nur Verlagshäuser, sich finanziell an den noch vorhandenen Medien beteiligen.
(Man könnte jetzt die Frage einschieben, falls man wegen des Tessiners auf Kantönligeist macht: warum sind nicht zwei, drei wohlhabende Basler bei der BaZ eingestiegen?)
Drittens wird wenig beachtet, dass es sich bei den Basler Zeitung Medien um ein Verlagshaus handelt, dass bezüglich Restrukturierung seine Aufgaben in den letzten Monaten weitgehend erledigt hat.
Dies gilt auch für die Arbeitsplätze der Journalisten. Mehr kann da beim Alleingang nicht mehr abgebaut werden.
Und schliesslich ist mir persönlich nicht unsympathisch, wenn Leute, die wissen, wie man wirtschaftet, sich mit erheblichen Privatmitteln in einer Branche engagieren, die gemeinhin nicht zu den Investitionsperlen am Markt gelten.
Man könnte ja auch eine Erbsenfabrik kaufen. Erbsen essen die Leute immer.
Investoren geben kein Geld aus, ohne genau zu prüfen, in was da eigentlich investiert wird. Eben genau das unterstreicht, dass die bisherigen Besitzer in den letzten Monaten ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Anderen Verlagen steht das alles noch bevor.
Ich bin aber noch aus einem anderen Grund recht begeistert von dieser Lösung (ich weiss, spätestens jetzt kommt's: wes Brot etc., forget it), ich bin als Medienprofi deshalb begeistert von dieser Lösung, weil wir nun ein wirklich interessantes Medienexperiment miterleben können.
Denn bis anhin hiess das Spiel: Tamedia kauft alles und der Rest geht an die NZZ und Axel Springer.
Dank Tettamantis und Wagners Einstieg bei der BaZ haben wir nun ein drittes Modell, nämlich das mit unabhängigen Investoren.
Jetzt wird's spannend.
PS: Wer dieses Blog regelmässig liest, weiss, dass ich immer zu meiner Meinung stehe und in den letzten Wochen nicht immer sanft mit der BaZ umgegangen bin.
Wenn ich also nicht genauso wie bei anderen Themen zu dem stehen könnte, was ich hier schreibe, hätte ich es beim Hinweis belassen, dass ich ein Mandat hatte.
Und das hat Matthias Hagemann gesagt
Und das Martin Wagner
- 4.8
- | Kategorie: Medien
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Kommentare
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Re: Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
- Von: M.M.
- , 15. Februar 2010,
- 09:49
Ihre Annahme ist richtig.
Re: Re: Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
- Von: Barei
- , 15. Februar 2010,
- 10:50
Und ich habe mir schon Sorgen gemacht. ;) Weiss man denn, ob die BaZ mit diesen Anzeigen schlecht beraten ist oder meint es selber besser zu können?
Danke für den persönlichen Bericht
- Von: Mittelmass
- , 08. Februar 2010,
- 17:35
und Einblick.
Man sitzt ja hier wirklich an der Quelle.
Die BaZ
- Von: Die BaZ ...
- , 08. Februar 2010,
- 17:06
... kann nur noch besser werden! Recherche statt Hofberichtserstattung!
Hofbericht..
- Von: LINDER
- , 08. Februar 2010,
- 17:33
Hofberichterstatter war die BaZ auch schon unter mehrheitlich bürgerlicher Regierung, und jetzt auch unter Rotgrün. Politisch kann ich mit der auf Ausgleich ausgerichteten Berichterstattung leben (einmal ein Kommentar von links, einmal einer von rechts). Doch: Bitte als unabhängiges Medium! Aber mehr Mut zur Meinung, bitte! Und mehr kontrovers diskutierte Themen! Basler sind vom Naturell allzu sehr auf Friede-Freude-Eierkuchen konditioniert. Dieses Verhalten sollte eine Zeitung nicht kopieren.
Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
- Von: Baresi
- , 08. Februar 2010,
- 16:13
Bedeutet dies, dass aus der BaZ wieder die ganz ursprüngliche National Zeitung wird?
Re: Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
- Von: Stefan Peter
- , 09. Februar 2010,
- 02:21
Basler Nachrichten wenn schon, so viel Zeit muss sein.
Meinungspresse von früher..
- Von: LINDER
- , 09. Februar 2010,
- 11:08
Sollte man der parteiverbundenen Meinungspresse von früher wirklich nachtrauern? Scheint mir ein bisschen verklärt. Im Jahre 2010 gehört dies auch nicht unbedingt zum Zeitgeist.
Re: Meinungspresse von früher..
- Von: M.M.
- , 09. Februar 2010,
- 12:01
Habe ich gestern dem Sonntagszeitungs-Journalisten Hanspeter Bürgin klar zu machen versucht (der sich übrigens an dieser Pressekonferenz ziemlich unflätig benommen hat - der Mann ist zutiefst frustiert).
Die guten alten Zeiten sahen nämlich so aus, dass man bei der Anstellung zuerst gefragt wurde, ob man Mitglied der Partei sei, der das Organ "nahesteht". Beim Basler Volksblatt war es die CVP, bei der AZ die SP, bei den Nachrichten die Liberalen und bei der National Zeitung FDP linker Flügel und 68er (der Nachwuchs).
Diese Frage wurde nicht mehr gestellt, als man mit der Basler Zeitung die Forumszeitung erfand. Als ich bei der BaZ als Journalist arbeitete, habe ich mal ziemlich heftig dagegen protestiert, dass Klaus Kocher als Mitglied der CVP immer über die Delegiertenversammlungen der Partei geschrieben hat. Von wegen Unabhängigkeit und so.
Die wussten nicht mal, dass der Kocher bei der CVP war.
Re: Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
- Von: rumpelstilz
- , 08. Februar 2010,
- 17:13
wäre doch geil und ich würde wie vor 40 Jahren über Schwimmbad-einweihungen,etc. schreiben.Und auf der Redaktion wären Jürg Bürgi,Michael "Mike" Haller und Jürg Meyer.Und ein Korrespondent aus dem Bundeshaus namens Frank A.Meyer hätte einen schlichten Briefkasten.....
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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Re: Kommentar zum Verkauf der Basler Zeitung
Werter Herr MM. Gehe ich richtig in der Annahme, dass die seit letzter Woche in der Basler Zeitung erscheinenden, ganzseitigen Anzeigen nicht zu Ihrem Auftrag für die Medienarbeit gehören?