Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten
Das ist die Schweiz
Von M. M., 31. Mai 2007 – 11:11:00
26 Kantone, 26 unterschiedliche Schulsysteme. Das ist die Schweiz. Deshalb sind die drei Erziehungsdirektoren der Kantone Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt ungemein stolz darauf, dass sie gemeinsam die Absicht bekunden, zu prüfen, ob es allenfalls und wenn immer möglich, dereinst so etwas wie ein gewisse Angleichung der völlig unterschiedlichen Schulsysteme geben könnte.
Mal abgesehen davon, dass es eine solche Harmonisierung zwischen den drei Kantonen angesichts der Volksabstimmungshürden und der gewerkschaftlichen Lehrermacht gar nie geben wird, wäre es wohl gescheiter, man würde in einem mutigen Schritt mal ALLLE Lehrpläne in allen Schweizer Kantonen vereinheitlichen. Diktiert vom Bund (sehr unschweizerisch) auf Druck der Hochschulen und der Wirtschaft.
Und weil das bis zum Temperaturanstieg von den geschätzten zwei Grad nicht geschehen wird, bin ich grottenfroh, das unsern Jüngster demnächst den letzten Abschnitt seiner Schulkarriere in Angriff nimmt. Und dies im Kanton Baselland, der, anders als der Stadtkanton, nicht eine fast zwanzigjährige Experimentierphase auf dem Buckel mehrerer Schülerjahrgänge durchlaufen hat und bildungspolitisch vor einem Trümmerhaufen steht. (Die Abstimmung zur Schulreform habe ich seinerzeit leider verloren.)
In dreieinhalb Jahren können wir das uns seit zwanzig Jahren begleitende Dauerthema Schule und Lehrer endgültig entsorgen. (Ich könnte ein Buch schreiben, besonders das letzte Kapitel, mit den neu angestellten Sozialarbeitern zur Lösung von Schulkonflikten, wäre spannend.) Mann bin ich froh, dieses Thema loszuwerden.
PS: Dazu passt übrigens, dass sich die Uni Basel nicht vorstellen kann, dass es einen Campus "auf der grünen Wiese" geben könnte. Das sei den Professoren und den Studenten nicht zuzumuten, meinte Uniratspräsident Vischer. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass man so einen Neubau beispielsweise auf dem Bruderholz bauen könnte, anstelle des eh abbruchreifen Spitals. Und dieses, statt eines Neubaus, mit den Basler Spitälern zusammenlegt.
- 4.0
- | Kategorie: Politik
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Kommentare
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Gegen die Tradition des Widerstandes anzukämpfen,
- Von: Osservatore Profano
- , 01. Juni 2007,
- 13:07
lieber M.M., hat wenig Sinn. Ja, die Schweiz ist eben so, und es sind nicht nur die Besitzstandsfanatiker im rechten (SVP) und im linken Lager (SP), die nichts verändern wollen, sondern selbst die Republikflüchtlinge aus dem wiedervereinigten Deutschland empfinden es als wohltuend, dass unser Rechtsstaat ein föderalistisches Patchwork mit sozial- und steuerpolitischen ökologischen Nischen pflegt.
Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass sogar der strategisch absolut unzimperliche Napoleon Bonaparte Gefallen an der Vertracktheit der helvetischen Verhältnisse hatte, wie anders liesse sich sich sonst sein zeitaufwändiger Einsatz in der langwierigen Moderation der eidgenössischen Verhandlungsdelegation für die Mediation von 1805 erklären.
Dass Du die Anstrengungen der nordwestschweizerischen Bildungsdirektoren zu einer regionalen Koordination ins Lächerliche zieht, beweist mir, dass Dir eben der altradikale Zentralismus der Freisinnigen wesentlich näher liegt als die staatskritische Haltung der Liberalen, welche in der föderalistischen Unordnung ein allzu oft
verkanntes kreatives Wettbewerbspotenzial erkennen.
Wo ist jetzt Ihr Problem?
- Von: Demoscoop
- , 31. Mai 2007,
- 23:57
Sie stöhnen über die Baselbieter Schulen, die doch so viel besser sein sollen als die Basler. Sie haben bald keinen Gofen mehr im System, also kein Interesse oder keine Energie mehr. Eine inhaltliche Wertung zum Bildungsraum NWS machen Sie auch nicht. Ausserdem haben Sie den Kanton Solothurn vergessen.
Wahrscheinlich haben Sie sich nie überlegen müssen oder wollen, wie man mit 4 schulpflichtigen Kindern den Kanton wechselt, ohne dass diese die Folgen verdauen müssen Ihres Entscheids für einen tolleren Job oder ein schöneres Haus.
Ich habs hinter mir, letztes Jahr. Heftig.
Jeder Schritt zu einer Harmonisierung der Schulen ist ein guter Schritt.
Der permanent widerständigen und reformresistenten Lehrerschaft (nicht den einzelnen, guten, sondern den politisierten) kann man nur sagen: Kommt mal endlich im richtigen Leben an.
Bei der Roche, der Novartis oder all den anderen Buden, in denen die Schul- bzw. Steuergelder verdient werden müssen, bestimmt auch nicht das Middlemanagement die Grenzen der Strategie.
(Für allfällige Repliken melde ich mich bis nächsten Mittwoch ab: Mein Arbeitgeber hat Europa-Roadshow angesagt.)
Vereinheitlichen
- Von: M.M.
- , 01. Juni 2007,
- 08:45
@Demoscoop: Natürlich ist das ein Schritt in die richtige Richtung, was da die drei Kantone vor sich haben. Aber er wird in Zukunft nicht mehr der neuen Realität genügen. Denn die Leute werden halt nicht mehr allein nur von Basel ins Baselbiet oder ins Fricktal zügeln, sondern halt nach Zürich, Zug, oder Genf. Deshalb bin ich für eine schweizweite Vereinheitlichung. Dann ist nämlich die Ausbildung der Zürcher mit derjenigen der Basler vergleichbar.
Wir haben uns übrigens vor fünf Jahren ernsthaft überlegt, für den nächsten Lebensabschnitt Wohnsitz in der Stadt zu nehmen. Wir haben das dann wegen des Schulsystems unterlassen, weil wir unserem Jüngsten diesen Wechsel nicht zumuten wollten. Ich habe also alles Verständnis für Ihr Problem.
@cak: Nein, ich glaube nicht ernsthaft daran. Leider. Ich glaube nicht mal an die Harmonisierung.
@# anaximander: Geschätzte anaximander, Sie wollen mir einfach immer mal wieder Enkelkinder andrehen. ICH BIN NOCH ZU JUNG FÜR SOLCHE SPÄSSE!
Von Ihnen und Ihrem Alter hängt
- Von: anaximander
- , 01. Juni 2007,
- 14:08
das nicht ab, verehrter M.M. Ihre Kids sind mündig und hoffentlich erwachsen genug, selbst zu entscheiden - Sie dürfen dazu nur JA sagen :-)
Nein zu einem eidg. Bildungsmonopol!
- Von: cak
- , 31. Mai 2007,
- 23:43
Sie glauben doch nicht ernsthaft, ein vom Bund verordneter Lehrplan wäre der jetzigen föderativen Konkurrenz überlegen? Es ist wohl nicht abwegig zu vermuten, ein eidg. Erziehungsdepartement würde der "Experimentierfreudigkeit" der Basel-Städtischen Bildungsexperten nachstehen. Dank den 26 Schulsystemen hat man heute immerhin noch den Vorteil, an einen Ort zu ziehen, wo einem das Schulsystem mehr behagt.
Bitte, M.M.,
- Von: anaximander
- , 31. Mai 2007,
- 22:23
denken Sie doch über den Tellerrand hinaus. Nichts ist vorbei, wenn die Kids aus der Schule oder aus der Uni herausgewachsen sind, auch nicht die Schule, die Lehrer und Sozialpädagogen. Dann nämlich kommen die EnkelInnen
Manfred Messmer ¦ online relations
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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Geniale Zentralisierung
Wie gehabt, passen wir unser Niveau gegen unten an. Schon heute mache ich mir sehr viele Gedanken über die Zukunftsfähigkeit unserer konsumgesteuerten Zombiekinder. Ach, es ist mir so leid. Dem Freisinn fehlen Leute, die einen gesunden Menschenverstand besitzen. Für eine Schul"harmonisierung" einstehen, aber die eigenen Kinder wegen Perspektivlosigkeit und hohem Ausländeranteil (auch dank dem so tollen grenzenlosen Liberalismus) an eine Privatschule schicken.
Ich werde von anfang an einen anderen Weg wählen: Schulverweigerung bei unhaltbaren Zuständen.