Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Climategate: Können 36'000 Physiker irren?

Es gibt bei uns Friedensnobelpreisträger für Klimawandel, die am liebsten nur noch mit Fachleuten reden würden. Denn dieses ungebildete Volk, das Weblogs bevölkert, hat ja keine Ahnung und ist nichts als lästig. Mehrere Tausend Wissenschaftler können sich schliesslich nicht irren.

Genau.

Denn nun meldet sich in Sachen Climategate das "Institute of Physics" IPO zu Wort, eine Organisation, der weltweit 36'000 Physiker angeschlossen sind.

In einer Stellungnahme an das Wisschenschafts- und Technologiekomitee des Britische Parlament zeigt sich das IPO tief besorgt über die angeschlagene Reputation der Klimaforschung.

Das Institut schreibt unter anderem, dass die veröffentlichten E-Mails der Climatic Research Unit der University of East Anglia, sofern es sich nicht um Fälschungen oder Bearbeitungen handelt, "beängstigende Implikationen für die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet, sowie für die in diesem Zusammenhang angewandten wissenschaftlichen Methoden haben werden".

Die CRU-E-Mails, wie sie im Internet publiziert wurden, seien prima facie Beweis dafür, "dass willentlich und koordiniert ehrenwerte wissenschaftliche Traditionen und das Recht auf Information missachtet wurden."

The principle that scientists should be willing to expose their ideas and results to independent testing and replication by others, which requires the open exchange of data, procedures and materials, is vital.

Überdies fänden sich in den E-Mails genügend Gründe, um sich über die darin geschilderte Art der wissenschaftlichen Intoleranz Sorgen zu machen.

Das IPO fordert deshalb eine umfassende Prüfung der vorliegenden Daten.

In that context, those CRU e-mails relating to the peer-review process suggest a need for a review of its adequacy and objectivity as practised in this field and its potential vulnerability to bias or manipulation.

Wenn wir das Verhalten von Thomas Stocker und Friedensnobelpreisträger Fischlin et al in den letzten Wochen betrachten, dann kann man sich des Eindrucks eines geschlossenen Zirkels nicht erwehren. Und genau das stellen auch die Physiker fest:

The e-mails illustrate the possibility of networks of like-minded researchers effectively excluding newcomers. Requiring data to be electronically accessible to all, at the time of publication, would remove this possibility.

Die Stellungnahme des IPO zuhanden des Wissenschafts- und Technologiekomitees ist der eigentliche Todesstoss für den bisherigen IPCC-Prozess.

Nimmt man die wohlgesetzten Worte des Instituts zum Nennwert, dann wird hier einer der grössten wissenschaftlichen Skandale der Neuzeit geschildert.

Ab Montag wird das Komitee die Hearings zum Fall Climategate starten.  Insgesamt 54 Organisationen und Wissenschaftler haben Stellungnahmen abgegeben.

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

Das Climagate ist Ernst zu nehmen.

  • Von: M.Kelle
  • , 28. Februar 2010,
  • 12:45

Die Auswirkungen auf das Klima werden dadurch noch verstärkt.
Der Cyberkrieg um das Recht der rechten Worte, muss weitergeführt werden, koste es, was es wolle.

Ob hier auf diesem Blogg oder andeswo, wo Climagate ein Thema ist, ist es nur eine Zeitverschwendung.

Wichtiger oder am wichtigsten überhaupt ist die Frage. Wann kann der CO2 Ausstoss bei Kohlekraftwerken durch CO2-Abbindung wirtschaftich und breitflächig betrieben werden? Da nicht nur heute, sondern auch in Zukunft bei der Sromproduktion welteit über 70% Kohle eingesetzt wird, ist dies die dringenste für die Menschheit zu beantwortende Frage. Dies Problemlösung ist zu verglieichen mit einer Unique Selling Proposition for the Climate. Firmen wie Alstom, ABB oder andere arbeiten daran. Das sind die waren Problemlöser...

Alles andere ist nur Cibyerschrott. (der immerhin nicht entsorgt weren muss).

Schrott!

  • Von: lepus
  • , 28. Februar 2010,
  • 12:55

Alles andere ist nur Cibyerschrott.
Nicht nur alles andere - auch der eigenen Beitrag.

Das ist so, was wir hier betreiben, ist mentale

  • Von: M. Kelle
  • , 28. Februar 2010,
  • 16:41

Masturbation. Aber das brauchts halt auch, um sich gewisser Dinge bewusst zu werden. Ich bin froh, das lepus das begriffen hat.

Klima-Wissenschaft?

  • Von: Markus Schär
  • , 28. Februar 2010,
  • 11:33

Schön, dass die 36'000 Physiker dasselbe feststellen, was ein mir nahe stehender Journalist am 29.11.2009 in der SonntagsZeitung schrieb:

"Nein, wir sehen bei den Klimaforschern keine Weltverschwörung, nur ganz normale Wissenschaft, wie sie nun einmal ist.

Allerdings gilt gerade für die Klimaforschung, die sich um das Überleben der Menschheit sorgt, was der deutsche Soziologe Gerhard Schulze kürzlich mit einem Vortrag in Zürich zu bedenken gab: Wir neigen in allen Lebensbereichen zu einem ritualisierten Konsens, nur die Wissenschaft versteht sich als Veranstaltung der organisierten Skepsis. 'Die Wissenschaft hat es zum Prinzip erhoben, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen', sagt der Soziologe. Ein Konsens wie jener des Weltklimarats, der nur noch eine Bandbreite des Schreckens vorgibt, müsste also jeden Forscher misstrauisch machen: In der Wissenschaft gibt es keinen Glauben, nur Zweifel.

Das lehrte der andere grosse Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts, Karl Popper. Die Erkenntnis schreitet nicht voran, wenn wir uns bestätigen, sondern nur wenn wir uns widerlegen, also Thesen falsifizieren. Auch die Klimaforscher müssen sich in die Pfanne hauen lassen %u2013 umso bereitwilliger, je besorgter sie vor der Katastrophe warnen."

Kurz: Es geht letztlich nicht um das Massieren und Manipulieren von Daten, um das gewünschte Resultat zu erhalten (das ist schlimm genug, so dass sich jeder Wissenschafter disqualifiziert), sondern um den Grundsatz: Wissenschaft, die sich nicht intersubjektiv überprüfen lässt, ist keine Wissenschaft.

Und nur noch das: Eigentlich hätten es alle längst wissen können. Für sein Buch "Climate of Extremes" von 2008 nahm Patrick J. Michaels als Motto einen unsterblichen Satz von Phil Jones, der eigentlich schon 2005 zur Amtsenthebung hätte führen müssen, weil der Mann nichts verstanden hat, wie Wissenschaft geht: "We have 25 years or so invested in the work. Why should I make the data available to you, when your aim is to try and find something wrong with it?"

Backlinks

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch